6. Mai 2013

Bohnen-Droge

 

Menschen sind Gewohnheitstiere. Das sagte mein Grossvater immer. Und was Grossväter sagen, dass muss ja stimmen sind sie doch einige Jahre länger im „Geschäft“ und haben so ihre Erfahrungen gemacht. Und tatsächlich stimmte das auch. Mein Grossvater machte es sich zur Gewohnheit mir dies jeden Tag zu sagen. Immer am Morgen, wenn er seinen Kaffee trank, was auch so eine Gewohnheit von ihm war. Ich mochte nie Kaffee. Ich verabscheute den bitteren Geschmack, der mich oft an den Geruch der Flüssigkeit erinnerte, in der mein Vater die benutzten Pinsel einlegte. Und wenn ich das gebrühte, koffeinhaltige Wasser so betrachtete hatte es oft auch die Farbe eines Pinselreinigers. So etwas täglich und mit Genuss in sich rein zu schütten kam mir widerlich vor. Es war mir ein Rätsel wie ausgerechnet mein Grossvater, den man „Dolce“ nannte so was Bitteres mögen konnte. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich mir dies auch mal zur Gewohnheit machen würde. Aber irgendwie bin ich nun mal mit meinem Grossvater verwand. Da kann es schon mal passieren und man „erbt“ gewisse Anlagen. Tatsächlich trinke ich heute auch gerne Kaffee. Nicht zwanghaft. Aber es vergeht kein Tag ohne ein bis zwei Tässchen Kaffee. Ich kann also beruhigt feststellen, dass ich nicht süchtig danach bin. Allerdings habe ich mich an diesen „Kapsel-Kaffee“ gewöhnt – sie wissen schon welchen – ich möchte hier keine Werbung machen. Sie wissen nicht welchen ich meine? OK. Dann versuche ich es mal zu umschreiben. Sie haben vielleicht schon mal von diesem Süsswasser-See im schottischen Hochland gehört? Dort wo sich dieses dinosaurierähnliche Wasserwesen aufhalten soll. Sie wissen was ich meine? Das Fabelwesen hat ein Name, der mit „Loch“ beginnt und mit was Anderem endet. Nun nehmen sie einfach die zweite Silbe des Namens und fügen das italienische Wort für „bei“ dahinter und schon wissen Sie, dass ich süchtig nach diesem Nespresso bin...UPS... nun ist’s raus! Tatsächlich kann ich keinen anderen Kaffee mehr trinken! Ich habe mich so an diesen Geschmack gewöhnt, den bekommt man ja sonst nirgends. Das ist wie bei manchem Katzenfutter. Es gibt Produkte, die meine Katzen verabscheuen und dann gibt es Katzenfutter, das muss man ihnen nur zeigen und sie flippen aus. Wie Junkies auf Entzug, denen man eine Spritze zeigt. Meine Katzen schlingen dann dieses Futter hinunter um danach gleich nochmal mehr davon haben zu wollen. Ich sage immer, da ist irgendetwas drin, was sie süchtig macht. Wie in diesen Kaffee-Kapseln. Da ist auch was drin, was mich zum Abhängigen gemacht hat. Ich erzählte das genau so mal meinem Arzt und wissen Sie was der dazu meinte? Er sagte: „Ja das stimmt. Da ist tatsächlich was in den Kapseln, das süchtig macht: Kaffee.“

 

 

13. Mai 2013

Bald vorbei!

 

„Du musst dich noch etwas gedulden! Bald ist’s vorbei!“ Diesen Satz sprach unlängst meine liebe Frau Gemahlin aus. Nicht dass sie nun denken unsere Ehe steht kurz vor dem Aus. Nein! Es geht mal wieder um das Thema Nummer 1: Fussball! Meine angeheiratete Wohnungsmitbenutzerin ist – müssen Sie wissen – Fussballverrückt. Sie war selber aktive Kickerin und besitzt das Trainerdiplom B. Ich bin das pure Gegenteil. Ich war nie sonderlich aktiv und wenn ich ein Diplom besässe dann höchstens dafür, nie sonderlich aktiv gewesen zu sein. Nun können Sie sich vorstellen, was ich derzeit zu Hause so alles erlebe. Von der „Champions“- zur „Europa League“ zur „Schweizer Meisterschaft“ und zurück zum „Cup“. Sie kann kein Spiel auslassen! Und dabei beobachte ich sie regelmässig und bin froh, dass ich der Einzige bin, der dies zu Gesicht bekommt. Oft hat sie das gleiche Gehabe wie die Trainer, die an der Seitenlinie stehen. Sie gestikuliert, schreit, flucht und hadert mit den Schiedsrichterentscheidungen. Dabei staune ich nicht selten. Sie erkennt Spielzüge noch bevor sie jemand gemacht hat. Auch ihre Analysen scheinen mir fundierter zu sein, als die verbalen Ergüsse der Fussballexperten in den TV-Studios. Ihr kullern sogar Tränen (oder im Fussballjargon: Trainen) über die Wangen bei Verabschiedungen von Stürmern und sie lässt Sprüche vom Stapel wie: „Schau!! Der rennt ja nie!! Mann! Der hat am Schluss keine Krämpfe sondern einen Standschaden!“ Da kann ich nur schwer mithalten. Ich, der Fussball-Dummie! Aber bald ist’s ja vorbei und ich habe das Ganze überstanden. „Ich freue mich auf einen fussballfreien Sommer!“, sagte ich gestern zu ihr und was bekam ich zu hören? „Was fussballfrei? Sicher nicht. Und was ist mit der Europameisterschaft der Frauen in Schweden?“ Na super! Da freue ich mich also auf TV-Abende mit Fluchen, Fuchteln, Schimpfen und wildem Gestikulieren. Gott sei Dank spuckt sie noch nicht auf den Boden, so wie das die Spieler auf dem Feld nach jeder Aktion tun. Aber auch meine Frau kann sich noch steigern...

 

 

20. Mai 2013

Christoph Kolumbus

 

„Weisst du was Christoph Kolumbus entdeckt hat?“ fragte mich mal ein Lehrer in Geschichte. Und obwohl ich es wusste gab ich zur Antwort: „Das Ei!“ Ich erinnere mich, dass meine Bemerkung damals nicht so gut ankam. Entweder hatte ich das falsche Publikum, oder mein Humor war der Zeit voraus. Vielleicht war es auch eine Mischung aus Beidem, egal. Heute können wir auf Abenteurer wie diesen Herr Kolumbus nur neidisch sein. Eigentlich ist ja alles schon entdeckt. Es gibt nichts mehr zu finden. Das einzige Erfolgserlebnis in diese Richtung haben wir vielleicht dann, wenn wir in einem Kaufhaus einen Wühltisch mit einem Billigangebot als Erster entdecken. Aber damit hat es sich dann schon. Daran ändert sich auch nichts wenn man in den Ferien in ein Land verreist, in dem man noch nie war. Meine Frau und ich reisen in diesem Jahr nach Amerika. Wie damals Herr Kolumbus. Mit dem Unterschied, dass wir hoffentlich nicht zufällig dort landen. Und vor so einer Reise kann man sich im Internet bestens über ein Land informieren. Man kann sich tausende von Bildern runter laden. Man kann sogar durch ganze Städte fliegen; virituell und man hat eigentlich schon alles gesehen, bevor man dort war. Da von einem Abenteuer zu sprechen wäre etwas vermessen. Da wäre die Tat von Christoph ja als Wahnsinn oder grosse Dummheit zu werten. Einfach mal loszuziehen, ein Schiff zu besteigen, drauflos zu segeln um dann irgendwo zu landen ohne zu wissen, ob es da überhaupt was gibt. Das Abenteuer beim Reisen heute besteht lediglich vielleicht noch darin, dass man beim Buchen nicht recht weiss, ob es die Fluggesellaschaft mit der man fliegt dann noch gibt. Egal. Wir verreisen trotzdem. In die USA. In das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort wo es Lebensmittel gibt mit unbegrenzten Kalorien. Das Land, das keine Rentenversicherung kennt und wo man sicher sein kann bis zum Umfallen arbeiten zu müssen. Dort wo glattrasierte Menschen mit Fotoapparaten Touristen sind und solche mit Bart und Rucksack Terroristen. Das Land in dem sie in Supermärkten Soldaten anwerben, so wie bei uns Telefonanbieter auf Kundenfang gehen. Dort wo man auf sein Land stolz sein darf, ohne Gefahr laufen zu müssen als Nationalist oder SVP-ler abgestempelt zu werden. Ein Land, welches in Problemen und Krisen versinkt und anderen Ländern schulmeisterlich zeigen will wie man Probleme und Krisen verhindert. Das Land das aus Sicherheitsgründen anderen Ländern Atomwaffen abspricht, aber aus Sicherheitsgründen selber welche hat. Ein Land in dem aus bekannten Schauspielern unbekannte Politiker werden und das Land, das die Finanzkrise erfunden hat. Mann oh Mann Christoph! Was hast du da entdeckt...

 

 

27. Mai 2013

Heute geschlossen wegen zu

 

Wir leben in einer Zeit in der es normal ist, dass man bis 20 Uhr einkaufen gehen kann. Oftmals auch noch länger und an Tankstellen auch am Sonntag. Dass die dort auch Benzin verkaufen weiss manch einer vermutlich gar nicht. Dass dies so ist finde ich gut – also das mit den Öffnungszeiten. Ich habe auch mal lange im Verkauf gearbeitet – an der Kasse – und hatte nichts gegen wechselnde Schichten. Ich hätte auch gerne an einem Sonntag gearbeitet, wenn man dann unter der Woche mal frei hat, warum nicht? Und in dieser Zeit in der wir nun leben mutet es fast mittelalterlich an, wenn mal wer zu hat. Da bin ich mit Freunden aus Deutschland in der Stadt unterwegs. Da es sich um kulturinteressierte Zeitgenossen handelt wollen sie unbedingt in das für sie unaussprechliche Museum dieses Basler Künstlers gehen. Ich wusste bis dahin nicht, wie viele Möglichkeiten es gibt den Namen Tinguely falsch auszusprechen. Obschon ich es nicht verstehen kann, dass ein Deutscher das nicht hinbekommt. „Das Wort für die Farbe und den Zustand der Haut kennt ihr doch auch? Teint! Das könnt ihr doch auch aussprechen!“ Alle nickten und die Gruppe stimmte ein einsilbiges „Tää, Tää, Tää“ an. „Und wenn jemand einen Ort verlassen soll könnt ihr auch sagen: Geh!“ Alle nickten wieder. „Und der Nachname dieses Karate-Schauspielers Bruce Lee könnt ihr doch auch aussprechen“. Sie kamen aus dem Nicken gar nicht wieder heraus. „Also! Nun verbindet die drei Sachen und ihr könnt den Namen dieses Basler Künstlers und des Museums aussprechen: Tää-Geh-Lee!“ Sie taten es und es war hoffnungslos! Hoffnungslos war es auch, als wir bei dem schwer auszusprechenden Museum ankamen. Es war geschlossen! Zu! Es war am helllichten Tag innen dunkel! Ich betrachtete die Tafel am Eingang: Montag geschlossen. Obwohl ich nicht genau wusste, was für einen Tag wir heute hatten, es musste Montag sein. Warum um alles in der Welt hat ein Welts-Museum am Montag zu?? Da meine Freunde nur einen Tag in Basel weilten konnte ich sie nicht auf morgen vertrösten. Also ging ich mit den kulturbesessenen und Kunst verehrenden Grosskantönlern zurück in die Stadt. Wenn sie schon Kunst wollten, dann wäre das Kunstmuseum der ideale Ort. Tatsächlich stelle es sich als idealen Ort für einen kleinen Nervenzusammenbruch heraus: Montag geschlossen! Schon hörte ich die ersten blöden Sprüche meiner Freunde: „Besuchen sie Basel – die Kulturstadt am Rheinknie! Montag zu!“ Ich grabschte nach meinem Handy und suchte im Internet ein Museum, das am Montag offen hat. Sie werden es mir nicht glauben. Bis auf zwei Museen haben alle zu!! Und da meine Freunde an Kinderspielsachen oder an anatomischen Besonderheiten kein Interesse hatten, aber unbedingt ein Museum besuchen wollten, fuhren wir ins Vitra Design Museum...nach Weil. Auf dem Weg dorthin im Bus musste ich allerlei Sprüche über mich ergehen lassen. Aber irgendwie hatten sie ja recht. „Das Vitra Design Museum steht am richtigen Ort. WEIL es am Montag nicht zu hat...“