4. März 2013

Immer dreckig

 

Es ist mir ein Rätsel. Ein Phenomen. Vermutlich das letzte Geheimnis, das die Menschheit wohl nie lüften wird: Verschmutzte Brillengläser! Ich trage seit über 40 Jahren eine Brille. Das heisst ich bin Profi im Umgang mit diesen Augenverglasungen. Von schmerzenden Stellen hinter den Ohren bis zu tiefen Kerben auf dem Nasenrücken. Ich kenne das alles. Mich kann eigentlich nichts mehr erschüttern, wenn da nicht diese Brillengläser wären. Mir ist schon bewusst, dass die Brille als solches nur mit Gläsern einen Sinn macht, aber ohne Gläser wäre sie um einiges einfach zu tragen. Meine gefasste Sehhilfe ist immer dreckig. Und wenn ich immer sage, dann meine ich auch immer. Auch dann, wenn ich sie gerade sorgfälltig geschrubbt habe. Kaum zurück auf der Nase, entdecke ich regelmässig wieder einen Schmierfleck. Und was ich da schon alles ausprobiert habe. An der MUBA laufe ich jedes Jahr in die Fänge einer netten Dame, die mir an ihrem kleinen Stand weismachen will, dass sie das ultimative Brillenputztuch besitzt und es mir – für eine entsprechende Gegenleistung – gerne überlassen würde. Und ich glaube diesen Quatsch auch noch. Jedes Jahr! Und ich kaufe es dann auch noch! Auch wenn ich meine outgesourceden Kontaktlinsen gründlich mit diesem Wundermittel einschmiere und trockenreibe, am Schluss ist immer – und sie wissen ja jetzt was ich mit immer meine – irgend ein Schmutzteil auf einem Glas. Nun könnten Sie zu Recht anmerken, dass ich mir doch einfach Kontasktlinsen anschaffen solle und das Problem ist behoben. Hab ich ja auch versucht! Trotzdem bekomme ich einfach keine klare Sicht, auch mit Linsen. Mit meinem Problem konfrontierte ich auch den Optiker, der mir damals die Brille verkaufte. Er meinte nur: "Putzen Sie doch mal zu Hause die Fenster, den PC-Bildschirm und das TV-Gerät und wenn es dann immer noch ist, können Sie gerne nochmals kommen!" So eine Frechheit. Ich ging nach Hause und war frustriert keine Fachmännische Auskunft erhalten zu haben. Mit Wut im Bauch und drei Berlinern putzt ich alle Fenster, den PC-Bildschirm und das TV-Gerät. Und zum Schluss auch nochmals meine Brille. Und siehe da. Auf wundersame Weise sind alle Schmutzflecken verschwunden. Also das MUBA-Zaubermittel hält doch was es verspricht.

 

 

11. März 2013

Ein Mann weiss alles

 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich würde diesen Titel nie unterschreiben und die oben gemachte Aussage trifft auch nur zum Teil auf mich zu. Vor allem der Teil mit dem "Mann". Vom anderen Teil, dass Männer alles wissen, distanziere ich mich in aller Form. Ich komm auf dieses Thema, da ich im Zug mal wieder ein lustiges Gespräch belauscht habe. Ja Entschuldigung! Was will man im Zug denn sonst tun, wenn man bei dem Geschüttel nicht lesen kann? Und wenn dann die hinter mir so laut reden, ist das ja nicht mein Problem. Da sass also ein Mann, vermutlich knapp 20 Jahre alt, der einer Frau, vermutlich etwas jünger erklärte, wie eine Schwangerschaft abläuft. Ich habe nicht herausgefunden, ob der Mann für die Schwangerschaft der Frau verantwortlich war, aber er kniete sich voll in das Thema rein und wirkte wie ein Vater, der seine Tochter aufklärte. "Wenn du Schwanger bist, dann nimmst du vor allem grausam zu. Das kommt daher, da das Kind in deiner gebürtigen Mutter immer mehr Fruchtwasser trinkt. Und Fruchtwasser hat sau viel Kalorien. Das ist wie beim Orangensaft oder so." Das Mädchen reagierte etwas geschockt. "Aber das Übergewicht, das verliere ich ja dann wenn das Kind da ist, oder?" Ihr persönlicher Experte winkte ab. "Das kannst du vergessen! Schau meine Mutter an, die ist seit meiner Geburt fett und hat nichts mehr verloren – ausser mal ihre Hausschlüssel." An dieser Stelle musste ich mir zum ersten Mal das Lachen verkneifen. Doch es ging weiter. "Und weißt du, jetzt wo du schwanger bist veränderst auch du dich. Bis zur Unkenntlichkeit." Von ihr kam ein grauenerfülltes "NEIN!". Er doppelte nach. "Doch. Du willst plötzlich nur noch Essiggurken zusammen mit Schokolade essen. Kein Wunder müssen sich Schwangere auch immer und überall übergeben. Du verlierst den Lust Sex zu machen, obwohl deine Brüste viel grösser und attracktiver werden als der Rest." Das Mädchen schien erstarrt zu sein. Darum spendete ihr männlicher Fachmann zum Thema Schwangerschaft Trost. "Aber das ganze ist nach glaube ich 12 Monaten eh vorbei. Dann kommt das Kind unten raus, oder sie machen mit der Schere einen Kaiserschnitt!" Das Mädchen fragte angsterfüllt: "Was ist das ein Kaiserschnitt?". Er meinte nur kurz: "Das ist so eine Art der Geburt. Der Fussballer Beckenbauer kam irgendwie auch so zur Welt. Dem sagen doch alle DER KAISER, darum nennt man das so." Eine Weile blieben die beiden still. Vermutlich musste das Mädchen zuerst verarbeiten, was sie da zu Ohren bekommen hatte. Am Ankunftsort stieg ich, der Geburtsprofi und die Schockierte aus. Eine ältere Dame hatte die beiden offenbar auch belauscht und sagte mit einem Lächeln beim Vorbeigehen dem jungen Mann: "Ist gut bekommen die Frauen die Kinder...!"

 

 

18. März 2013

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

 

Irgendwie stamme ich aus Italien. Von wo habe ich keine Ahnung. In manchen Situationen wäre ich allerdings gerne ein Indianer...ups... darf man überhaupt "Indianer" sagen, oder ist diese Bezeichnung diskrimminierend? Ich nenne den lendenbeschürzten Kopffederträger lieber mal vorsichtshalber "Amerikanischer Ureinwohner". Kolumbus dachte damals ja, er sei in Indien gestrandet, daher sein Name. Kolumbus! Müsste man ihn dann diesen Ureinwohner nicht besser "Kolumbianer" nennen? Egal! Ich schweife wieder ab. Was ich eigentlich schreiben wollte ist, dass ich gerne die vielbesagte Schmerzunentfindlichkeit des oben genannten Ureinwohners Amerikas geerbt hätte. Vor allem wenn es darum geht, die Nasenhaare zu zupfen. Sie lachen mich nun vielleicht aus, aber bevor ich mir die Nasenhaare zupfe, gehe ich noch lieber zum Zahnarzt. Eigentlich mach ich es ja gerade umgekehrt. Bevor ich zum Zahnarzt gehe, zupfe ich mir regelmässig die Riechkolben-Vegetation. Wenn man da so ausgeliefert auf dem "Schragen" liegt, bietet man einen optimalen Blick in die Schnupper-Höhlen. Und da ich ein reinlicher Typ bin, will ich ihm die Aussicht auf meinen wildwucherten Naturgarten ersparen. Also holte ich aus der Schublade meiner Frau wieder mal das Folterwerkzeug hervor: die Pinzette! Leider die effektivste Lösung. Mit der Pinzette greife ich dann die Nasenhaare und.... AUA! Ich bin ja keine Memme, aber dieser Schmerz lässt mir die Tränen in die Augen schiessen und bei jedem Zupfen entfährt mir ein Schrei. Ich will nicht wissen, was die Nachbarn denken, wenn sie mich so schreien hören. Ich würde mich nicht wundern, wenn mich mal jemand im Treppenhaus darauf anspräche. "Fügt ihre Frau ihnen Schmerzen zu?" Ich würde mit einem sicheren JA antworten. Es ist ja schliesslich ihre Pinzette.

 

 

25. März 2013

Hertz-Infarkt

 

Logisch! Wenn ich mal Fernsehen will – oder besser gesagt – wenn mal was sehenswertes in der Flimmerkiste kommt, geht der Fernseher kaputt. Ausgerechnet wenn mein Lieblingskrimi kommt, verabschiedet sich die blöde Kiste. Gottseidank hatte ein Kollege Zeit, der sich mit elektronischen Geräten auskennt. Hätte ja sein können, dass der einen Griff hinter den Fernseher macht und das Ding hätte wieder geflimmert. Hätte sein können! War aber nicht! Mein TV-Gerät hat 100 Hertz und nicht mal eines davon flimmerte. Ganz im Gegenteil zu meinem Herz. Das pochte vor Aufregung, als mein Kollege zur abschliessenden Diagnose Luft holte: "Der bekommt keine Spannung!", sagte mein persönlicher TV-Experte mit einem resignierten Kopfschütteln. Super! Mein TV bekommt keine Spannung und da ich nun auf den Krimi verzeichten muss bekomme ich auch keine. Dafür hätte ich keinen Sachverständigen gebraucht. Mit einer hilflosen Wut im Bauch setzte ich mich auf den Balkon und schmollte vor mich hin. Im Wohnhaus gegenüber hatten sie mehr Glück. In jeder Wohnung flimmerten die Flimmerkisten. Man konnte das an den wild wechselnden Lichterspielen erkennen, die ein Fernsehgerät in eine dunkle Wohnung zaubert. Und was man sonst noch alles so sieht, wenn man anderen Menschen in die Wohnung blickt. Da stehen zwei in der Küche. Zuerst dachte ich sie kochen. Dann erkannte ich aber, dass sie streit hatten. OK. Irgendwie waren sie ja am Kochen. In einem anderen "Schaufenster" war eine Frau gerade am Putzen. Sie hatte das Zimmer hell erleuchtet und war gerade dabei das Fenster zu reinigen. Offenbar hat sie Freude daran, solche Tätigkeiten nur mit Unterwäsche bekleidet zu tun. Ich freute mich auch! Und gleich daneben auf einem Balkon sass ein Mann. Er sass so da und... und schaute mir beim Schauen zu!! Offenbar war ich nicht der Einzige, dessen Fernseher das Zeitliche gesegnet hat. Und irgendwie ist es mir nun auch egal. Man kann auch ohne TV einen unterhaltsamen Abend haben. Und das Wort FERN-SEHEN bekommt so eine ganz neue Bedeutung.