3. Juni 2013

Alles wird getickert

 

Selbstverständlich ist es das Grundbedürfnis eines jeden Menschen: Information! Man möchte so viel wie möglich wissen und so schnell wie möglich. Vermutlich kommt das noch aus unseren Höhlen-Zeiten. Wer wusste, wann und wo ein Reh im Wald gesichtet wurde, hatte einen Informationsvorsprung und konnte darauf reagieren. In der heutigen Zeit lassen wir andere für uns jagen und jagen selber nur noch Terminen statt Wildtieren hinterher. Dafür besorgen wir uns auf anderen Wegen, die für uns scheinbar so wichtigen Informationen. Ein verschlafener Blick aufs Handy offenbart uns am Morgen schon, was die Nacht durch auf der Welt so alles passiert ist. Oftmals erstaunlich, was so alles geschieht, auch wenn wir nicht dabei waren. Zur Tramfahrt gibt es dann aus einer Gratiszeitung die Nachrichten von gestern und dazwischen immer wieder das Aktuellste aus der Welt via Radio oder Live-Ticker. Live-Ticker? Die nervigste Erfindung, seit es Medien gibt. Da "tickert" ein Journalist für mich von einer Veranstaltung. Was vielleicht gut gemeint ist, entpuppt sich allerdings sehr schnell als nervtötender Info-Zunami auf den man eigentlich immer verzichten könnte. Da wird aus Pressekonferenzen getickert, dass die Pressekonferenz noch nicht begonnen hat. Gut zu wissen! Von Fussballspiel-Tickern kann man erfahren, dass noch keine Mannschaft ein Tor erzielt hat. Interessant! Und aus Katastrophengebieten wird getickert, dass die Rettungskräfte immer noch kräftig mit der Rettung beschäftigt sind. Ich frage mich langsam, ob wir tatsächlich immer und alles wissen müssen. Sind wir wirklich informiert, wenn wir wissen, dass in Ostindien ein Gewitter zwei Häuser verwüstet hat? Geht es uns besser, wenn wir im Sekundentakt die leeren Satzgebilde des Fussballtrainers an der Pressekonferenz aufs Handy serviert bekommen? Ich für meinen Teil bin total überfordert aus dem Jungle von Informationen, das wirklich Wichtige herauszuschälen. Und wenn ich es dann geschafft habe, ist es bereits schon wieder Abend und ein Live-Ticker tickert aus Australien, dass einem Känguru-Weibchen eben Vierlinge aus dem Beutel gehüpft sind. Gute Nacht...

 

 

 

10. Juni 2013

Gut bebrillt

 

Den ganzen langen Winter über hat man sich auf die Sonnenstrahlen gefreut. Und wenn dann mal welche da sind, muss man sich vor ihnen schützen. So gemein. Das passiert mir auch in anderen Lebenslagen. Da ist man an ein Fest eingeladen und freut sich schon den ganzen Tag auf das Dessertbuffet. Wenn man aber dann davor steht, greift man nicht zu, weil man nicht zunehmen will. So musste ich mir unlängst eine Sonnenbrille kaufen – also nicht wegen des Dessertbuffets, sondern wegen der bösen UV-Strahlen. Ich betrat das Brillengeschäft mit dem Glauben, ich würde es zehn Minuten später wieder verlassen. Denkste! Der Verkäufer begleitete mich zu einer Wand, an der unzählige Brillenmodelle auf ihre neuen Träger warteten. Schnell hatte ich ein paar Modelle ausprobiert. "Nein", hörte ich den Fachmann immer wieder sagen. Eine war mir zu klein, die Andere zu gross, eine Brille schränkte mein Blickfeld ein, die Andere würde mich zu wenig schützen. Nach ungefähr 30 Minuten hatte ich einen Sonnenschutz auf der Nase, der mir gut gefiel. Der Verkäufer sah mich an und begann zu lachen. "Diese können sie auf der Bühne tragen, die ist sehr lustig!" Ich fand das ganr nicht komisch und war wieder dort, wo ich am Anfang war, als ich das Geschäft betrat. Offensichtlich ist bei der Wahl der Sonnenbrille, neben dem gesundheitlichen Aspekt auch noch der Modische sehr wichtig. Man will ja nicht als Lachnummer durch die Stadt laufen, oder? Die Brille sollte ihren Job erledigen und dabei auch noch gut aussehen. Sie musste nicht auffallen oder aus der Reihe tanzen. Nach einem halben Nachmittag im Brillenladen war ich total fertig. Vom vielen Anprobieren war mein Nasenrücken bereits etwas wund und der, zu Beginn sehr umtriebige Verkäufer merkte, dass er viel Zeit investiert hat, ich aber dies mit meinem Geld nicht tun würde. So habe ich noch immer keine Sonnenbrille. Ich brauch auch keine. Ich warte einfach, bis sich die bösen UV-Strahlen am Horizont verzogen haben, und gehe nur noch nachts in die Stadt. Ist auch viel besser. Da haben die Brillengeschäfte schon geschlossen.

 

 

17. Juni 2013

Handy-Krieg

 

Krieg ist ja so unnötig. Ich kenne kein Beispiel, bei dem nach einem Krieg irgendwer irgendwas gewonnen hätte. Es gibt dabei immer nur Verlierer. Alle wissen das und trotzdem gibt es immer wieder Krieg. Krieg um Länder. Krieg um Religionen. Krieg um das Sorgerecht der Kinder und Krieg um die Handy-Weltherrschaft . Jeder Krieg ist blöd, aber der Letztere übertrifft alles. Ist mir doch egal, wer mehr Handys verkauft. Ob ein koreanischer TV-Hersteller, oder angeknabberte Baumfrüchte. Sie sollen sich bekämpfen, aber uns dabei in Ruhe lassen. Aber sie haben es geschafft und ihre "Krieger" kann man überall antreffen. Im Büro meiner Schwester tobt zurzeit ein mobiler Nahkampf. Da gibt es diejenigen, die auf angebissene Äpfel schwören und die Anderen. Beide Lager sind sich einig, dass nur sie das Richtige, das einzig Wahre besitzen. Da werden Mitarbeiter regelrecht gemobbt, wenn sie nicht dem Apfel-Kult huldigen. Wenn sie in der Pause eine Banane essen und nicht ein "i-". Unglaublich zu was uns diese Konzerne gemacht haben. Wir sind Soldaten ihrer Produkte und kämpfen für sie auf dem Börsenschlachtfeld um jeden Index-Punk. Wir sind die Jünger ihrer Technik-Sekte und huldigen ihre Produkt-Götter. Alles ist super und alles ist genial, was sie uns präsentieren. Kritikfrei kaufen wir alles, was sie auf den Markt werfen. Wir stehen Schlange um viel Geld für wenig Innovation zu bezahlen. Würden wir das sonst auch tun? Also ich für meinen Teil nicht. Mir käme es nie in den Sinn am Markt für einen angebissenen Apfel Schlange zu stehen. Oder würden Sie das tun?

 

 

 

24. Juni 2013

Post zusammen!

 

Ich liebe Facebook! Ich mag es nicht nur – nein – ich liebe es wirklich. Ich finde, es ist das wirklich einzige Comedy-Format der Welt. Wobei sich die Protagonisten oft nicht im Klaren sind, dass sie die einzig echten Komiker sind, die es noch gibt. Man muss ja wirklich über enorme Mengen von Humor verfügen, wenn die das was sie da alles so "posten", tatsächlich ernst meinen. "War eben hier" konnte ich einer Mitteilung eines "Freundes" von mir entnehmen. Auf der darunter angezeigten Karte war ein Name einer Bar zu erkennen und darunter stand "Schwulenbar". Ich weiss nun nicht genau, was dieser "Freund" uns damit mitteilen will. Ist das die Form des Outings im Facebook-Zeitalter? Oder wenn sich Partygirls auf Facebook über ihren "dummen Chef" auslassen, aber vergessen, dass sie mit diesem "blöden Hund" auf Facebook "befreundet" sind. Vor einiger Zeit las ich auf derselben Plattform folgende Mitteilung: "Kann jetzt nichts posten, sonst verpasse ich den Zug!" Etwas später schrieb dieselbe Person: "Scheisse – Zug verpasst!" Also ehrlich, da kann ich mich kugeln vor Lachen! Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Mitteilungen auf Facebook. Die Dumme und die Saudumme. Zum Beispiel zu wissen, wer eben für wie lange in die Ferien verreist ist, ist nun nicht gerade sehr witzig, kann aber für allerlei Ganoven äusserst interessant sein. Dank Facebook wissen wir im Sekundentakt, wer sich gerade wo mit welcher Tätigkeit aufhält. Da wundert es mich gleich doppelt, dass man in der Schweiz nicht in der Lage ist, Verbrecher mit Freigang besser zu überwachen. Da ist die Fussfessel doch ein Witz. Viel wirkungsvoller dagegen wäre es, diesen Typen ein Handy in die Hand zu drücken mit der Auflage, immer und überall alles zu posten. Dann wüssten immer alle was sie tun, auch wenn sie nichts tun.