1. Juli 2013

Tattoos

 

Ich besitze eine Eintrittkarte zu einem, habe aber sonst keines! Ein Tattoo gefällt mir nur dann, wenn ich es mit Blasmusik und nicht mit tintenverschmierten Nadeln in Verbindung bringe. Aber da bin ich schon bald mal der Einzige. Sich ein Tattoo stechen zu lassen ist total im Trend. Ich frage mich echt, warum das so ist. Jeder, der eine solche Körperbemalung hat berichtet in etwa dasselbe. "Der Schmerz ist nicht zu unterschätzen!" So als ob es wehtun muss, wenn man sich was Gutes tut. Doch ist es tatsächlich was Gutes so ein Tattoo? Ich stelle mir gerade eine 90-jährige Frau im Altersheim vor, die sich in jungen Jahren auf beiden Armen strahlende und stramme Drachen hat tätowieren lassen. Nun sehen diese aber aus wie verschrumpelte Eidechsen. Will man das wirklich? Oder das prächtige Segelschiff auf der Brust des 20-jährigen Jünglings, das an seiner Pensionierung vielmehr einem Faltboot gleicht. Ich weiss nicht recht! Vielleicht scheue ich ja auch nur die Schmerzen beim Stechen und rede mir deshalb ein, dass ein Tattoo nichts ist was, ich haben muss. Ich wüsste ja auch gar nicht, was ich mir tätowieren klassen könnte. Einen Namen, ein Muster, eine Blume oder sonst was Bedeutungsschwangeres. Eigentlich müsste man sich was Praktisches tätowieren lassen. Das Passwort zu seinem Mailaccount oder Telefonnummern, die man immer wieder vergisst. Aber wenn jeder ein Tattoo hat ist ja der Sinn der Sache, ein Individualist zu sein auch wieder dahin. Etwas zu haben was alle haben ist nicht individuell, sondern gewöhnlich. Und um das zu vermeiden, gibt es die, welche sich Tattoos an Stellen stechen lassen, die nur der Tätowierer beim Anbringen sieht und dann keiner mehr – nicht mal sie selber. Da frage ich mich schon, was das soll. Man hat zwar ein Tattoo und gehört zu den Menschen, die im Leben stehen und Farbe bekennen, aber sollte es mal nicht mehr im Trend liegen, oder gar out sein, ist man nicht bis ans Lebensende gebrandmarkt. Also ich muss nicht jeden Trend mitmachen! Allerdings bin ich ja ungewollt wieder trendig, denn kein Tattoo zu haben wird demnächst wieder voll Inn sein!

 

 

8. Juli 2013

Verkehrte Welt

 

Meine Frau tut es. Mein Bruder tut es. Viele meiner Bekannten tun es. Nur ich tu's nicht: Pendeln. Ich meine damit nicht die Fähigkeit, mittels eines Ammulets und kreisenden Bewegungen, in der Wüste eine Überschwemmung zu finden. Ich meine die Tätigkeit sich am Morgen und am Abend in einen Zug zu setzen und durch die halbe Schweiz zu gondeln. Als ich noch zur Schule ging war Zugfahren ein Ereignis, was vielleicht mal zur Schulreise Realität wurde. Auch wenn ich den jährlichen Wanderausflug hasste (das Wandern ist des Salvi's Frust) freute ich mich doch immer aufs Zugfahren. Für meine Frau, meinen Bruder und für viele meiner Bekannten ist Zugfahren nichts Spezielles mehr. Es sei normal und gehöre zum Arbeitsalltag, sagte mir mal einer. Es ist wie der Gang am Morgen zur Toilette. Man macht es einfach und es ist ein Teil des Tagesablaufs. OK. Oftmals ist dieser Ablauf aber verstopft. Meine Frau berichtet mir regelmässig von überfüllten Zügen und dass es keine Seltenheit ist, dass man von Basel nach Zürich auch mal im Zug stehen muss. Also so fängt in meiner Fantasie kein perfekter Tag an! Überhaupt kann ich es nicht nachvollziehen, dass halb Basel nach Zürich arbeiten geht. Natürlich kann man nichts dafür, dass Firmen ihre Abteilungen zusammenlegen. Natürlich muss man ja etwas arbeiten und kann es sich nicht immer aussuchen. Ich prangere ja auch nicht all jene an, die fünf Mal die Woche pendeln. Ich frage mich nur: Wenn so viele Basler nach Zürich fahren, dann fahren sicher auch viele Zürcher nach Basel. Muss das sein? Also nicht weil es Zürcher sind, sondern ich suche den Nutzen in der täglichen Verschiebung von Arbeitskräften. Warum wohne ich denn nicht gleich dort wo ich arbeite? Wäre ich nicht entspannter, erholter und stressfreier im Büro, als zuvor mich in verstopften Trams und Zügen zu quälen? Wenn ich gelegentlich Schweinetransporter auf der Autobahn sehe – mit Walliser Autokennzeichen – die ihre Schweine nach Basel ins Schlachthaus fahren, erinnert mich das irgendwie an die sinnlose Pendlerei. "Wenn ich in Zürich ein Zimmer mieten würde, dann sähen wir uns nur noch von Freitag-Abend bis Sonntag-Abend!", wetterte meine Frau, nachdem ich sie nach dem Sinn des Zug-Wahnsinns frage. Ich weiss nun nicht genau was ich mit Ihrer Aussage anfangen soll. Wollte sie mir damit Angst einjagen, oder wollte sie mir eine Freude machen? Ich werde es vielleicht nie herausfinden.

 

 

 

15. Juli 2013

Piep-Piep-Piep

 

Obwohl ich erst 45 Jahre alt bin und viele sagen, ich würde viel jünger aussehen – so etwa 44 – habe ich tatsächlich auch schon die ersten Altersbeschwerden. Das Höhren und das Sehen ist etwas beschränkt, was man aber von meinem Denkvermögen nicht sagen kann! Ich habe also grösstes Verständnis für alle Zeitgenossen, denen die oben erwähnten Sinne auch langsam abhandenkommen. Da ist es schon sehr hilfreich, wenn technische Geräte befähigt sind die besagten Mängel etwas auszugleichen. Ich rede da im Speziellen von den Handy-Tastentöne. Wenn ich schon nicht mehr richtig sehe was ich drücke dann bestätigt mir ein Ton wenigstens, dass ich was gedrückt habe. Diese Tatsache bringt mich noch nicht sehr in Rage. Was mich allerdings nervt ist, dass es viele Leute gibt, die in der Öffentlichkeit schamlos drauflos piepen. Man könnte diese Töne sicherlich auch in der Lautstärke anpassen, aber oft wird dies nicht getan und man piept im Höchstpegel. Wenn man dann irgendwo sitzt, wo mehrere Leute um einem herum auf ihrem Handy schreiben und alle ihre Tastentöne auf maximal eingestellt haben, kann das schon sehr nerven. Da piept und tutet es, da klingelts und scheppert es, dass man fast Wahnsinnig dabei wird. Früher in der Disco fand ich das ohrenbeteubende Dauerbeschallen schon nicht toll, aber wenigstens blieb es damasls in der Disco wenn ich diese verliess. Heute wird man überall beschallt, egal ob man es will oder nicht. Und als ich so dagesessen bin und vollgepiept wurde klingelte bei einem das Telefon. Er ging ran und sprach. Eine Wohltat! Ein nerviges Getute weniger! Und als er dann mit dem Gespräch fertig war sagte er zum Anderen in der Leitung: "OK, ich schreib dir das gleich alles noch als Mail!" Er beendete das Gespräch und piepte drauflos und es klang so, als ob er ein kleines Kücken missandelte. Ich beschloss mich diesem Klang-Spam nicht länger auszusetzen, stand auf stöpselte meine Ohrstecker ein und lies meinen MP3-Player auf voller Lautstärke loshämmern. Wenn ich so weitermache, dann höhre ich schon bald so schlecht, dass ich die nervigen Tastentöne der Handys nicht mehr höre... super!

 

 

22. Juli 2013

Zum Wohl

 

Ich sitze in einem Restaurant und am Tisch neben mir packt eine junge Frau ihre Brüste aus und... und schweissgebadet schrecke ich aus dem Tiefschlaf hoch. So könnte diese Geschichte weitergehen und sich als Alptraum entpuppen. Tatsächlich ist es aber kein Traum sondern Realität. Ich sass mit meiner liebsten Frau in einem kleinen hübschen Restaurant. Noch eines der Sorte wo der Besitzer noch Besitzer und nicht Geschäftsführer ist und die Kellner keinen Sprachkurs benötigen um eine Mineralwasserbestellung fehlerfrei entgegennehmen zu können. Da sassen wir also nun genossen ein hervorragendes Schweins-Steak. Am Tisch neben uns eine junge Familie. Der Mann ungefähr Ende 30 und die Frau vermutlich so Mitte 20. Ihr Kind –noch nicht lange ausgeschlüpft – lag in einem Kinderwagen, der zwischen unseren Tischen stand. Wir gingen in das Restaurant, da wir Hunger hatten. Den Hunger zu stillen ist ein Grundbedürfnis. Den Hunger von Kindern zu stillen auch. Aber Kinder zu stillen – immer und überall – kann nicht normal sein, oder? Da packe ich mir doch gerade eine grosse Ladung Nudeln auf die Gabel, da packte die Frau schräg gegenüber ihren Busen aus. Im Restaurant. Vor allen Leuten. Vermutlich war das noch eine, die in der "Badi" am Liebsten im Schwimm-Burkini ganzkörperverhüllt ins Becken hüpfen würde, da sie sich um ihre Intimsphäre sorgte. Als frischgebackene Mutter hingegen sind plötzlich alle Schamgefühle wie weggeblasen und man entblöst sich in der Öffentlichkeit schamlos. Ihr Mann reagierte nicht einmal darauf und spachtelte weiter. Der kleine im Kinderwagen begann zu röcheln, als er die Brust sah – mir ging es ähnlich. Mit einer flinken Handbewegung und wenigen hundertstelsekunden später dockte der kleine Glatzkopf am geschwollenen Nippel an. Der grosse Glatzkopf – also ich – sass da und saugte sich mit den Augen am saugenden Windelträger fest. "Hör auf zu Glotzen!" ermahnte mich meine Frau. Ich erwiederte mit hypnotischem Blick auf die Nahrungsaufnahme des runzligen kleinen Etwas, dass dies ein Problem der Gesellschaft sei - das Wegschauen - und ich nun mal nicht zu den Wegschauern gehöre. Unterdessen kam der Kellner mit dem Dessert an unseren Tisch. Zum Menü gehörte ein Vanille-Frappé. Er stellte es vor mich hin und ich saugte die milchige Flüssigkeit mit dem Strohhalm in mich hinein. Da schauten mich die beiden jungen Eltern an. Irgendwie wusste ich nicht recht was ich sagen sollte und meinte nur mit Blick auf den noch immer saugenden haarlosen: "Wir wissen eben, was gut ist!" Meine Frau schloss beschämt ihre Augen und ich wusste, dass ähnliche Aktionen wie sie der Kleine eben genoss für mich für einige Zeit gestrichen waren.

 

 

29. Juli 2013

Herzlichen Dank und "aufwiederlesen"...

 

Wenn ich durch die Stadt spazierte und ein Ehepaar auf einer Bank sass das miteinander redete ertappte ich mich immer wieder dabei, ihnen kurz zuzuhören. Vielleicht schnappte ich ja was auf, aus dem ich eine Kolumne schreiben könnte. Auch wenn ich mit meiner Frau zu Hause disskutierte "scannte" ich regelrecht alle Aussagen von ihr ab, in der Hoffnung auf irgend eine Aussage zu stossen über die ich mich in der RegioBasel-Kolumne hätte auslassen können. Ich tat dies nicht aus Verzweiflung und krampfhaft, sondern aus Freude und mit Entdeckerlust. Tatsächlich schärfte sich mein Blick mit dem Schreiben der Kolumne. Ich habe dazugelernt. Obwohl meine Frau schon lange der Meinung ist, dass ich nichts mehr lernen könne und ein hoffnungsloser Fall sei. In diesem Falle aber hat sie unrecht. Als Rolf Kirchhofer mir die Chance gab, eine wöchentliche Kolumne auf seiner Homepage zu schreiben, war ich anfänglich nicht sicher ob ich das auch wirklich kann. Natürlich gehört Schreiben zu meinem Beruf. Aber jede Woche eine kleine A4-Geschichte zu verfassen, die vielleicht eine gut gemeinte Moral, etwas Humor und am besten noch eine kleine Schlusspointe hat, war doch eine grössere Herausforderung. Dennoch nahm ich an und am 15. August 2011 erschien die erste Kolumne. Seither sind einige dazu gekommen, die man alle nochmals auf meiner Homepage (www.renatosalvi.net) nachlesen kann.

Nun ist Schluss. Nicht weil mir keine Ideen mehr zufliegen. Nicht weil ich es nicht mehr gerne tue. Sondern weil ich ein Mensch bin, der sich immer gerne neuen Herausforderungen stellt. Nach nun 102 Geschichten mache ich den Platz frei für jemand anderen, der diese Erfahrung auch gerne machen möchte. Ich wende mich wieder Neuem zu. Neuem, was das Schreiben betrifft. Unlängst konnte ich meine Krimigeschichte "Verrat" als Drehbuch umschreiben, wofür ich über ein Jahr lang einen Drehbuchkurs belegte. Ferner steht jedes Jahr ein FASNACHTSKIECHLI auf dem Programm und neu nun auch ein FASNACHTSKIECHLI FIR BINGGIS, bei dem ich jeweils auch die Grundgeschichte schreibe. Die Schreibarbeit geht mir also nicht aus und ich möchte mich bei Rolf für das Vertrauen in mich bedanken! Und mein grösster Dank gilt natürlich Ihnen. Sie besuchten regelmässig RegioBasel.ch und lasen meine Kolumne.

Herzlichen Dank und "aufwiederlesen"...