7. Januar 2013

Glück auf

 

Glück kann man nicht erzwingen? Aber man kann es versuchen! Nicht oft, aber vielleicht drei Mal im Jahr besuche ich das GRAND CASINO Basel. Ich weiss noch, als ich das erste Mal dort hin ging hatte ich das Gefühl, als ob ich etwas Verbotenes tun würde. Ich fühlte mich fast so, als ob ich einen SEX-Shop betreten würde... ehm... also... nicht dass ich wüsste, wie man sich fühlt wenn man einen SEX-Shop betritt!! Egal! Ich fühlte mich einfach komisch. Man geht an einen Ort, bezahlt Geld dafür, dass man die Chance bekommt, noch mehr Geld gewinnen zu können. Ich betrat also das Spielcasino. Ich setzte mich an einen Automaten und warf ein paar Münzen hinein. Also bis ich in etwa wusste, wie das Ding funktionierte, hatte ich bereits 10 Franken verspielt. Mit der Gewissheit, diesen Kasten nun aber richtig bedienen zu können, fütterte ich ihn mit weiteren 10 Franken. Und tatsächlich. Irgendwann spuckte er 2 Franken aus! Triumpf!! Ich schob gleich 20 Franken nach und er kotzte nach einigen Minuten wieder 2 Franken in die "Brechschale". Ich nahm die Münzen an mich und schaute in den Raum. Ich hoffte, neidische Blicke zu ernten, aber keiner nahm an meinem Gewinn Anteil. Vermutlich schepperte es bei mir zu wenig laut. OK, denen will ich es zeigen. Der Apparat frass eine 50 Franken Note, die ich ihm reinwürgte. Und was machte er? Nichts! Da stopfe ich ihn mit viel Geld voll und er verdaut es? Also nochmals 20 Franken nachgeschoben. Und tatsächlich wurde es ihm wieder schlecht und er war erneut 2 Franken aus. Ich hatte stolze 6 Franken gewonnen! OK, ich habe dafür auch 110 Franken investiert. Das heisst ich habe ja "nur" 104 Franken verspielt – geht ja noch! Mein Bruder war auch dabei. Er kam zu mir und ich erzählte ihm von meinem "Gewinn". Er lächelte und sagte: "Ich habe wirklich gewonnen!" Echt? Wie viel wollte ich wissen. Er sagte nur: "Ich habe nicht gespielt. Und wer nicht spielt, der hat ja schon gewonnen!"

 

 

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Glück auf
Hören Sie die Kolumne nun von Renato Salvi gesprochen (Schweizer Mundart)
7. Januar 2013 GLÜCK AUF.aif.aifc
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14. Januar 2013

Zahnarzt

 

Es gibt nicht viel wovor ich mich fürchte. Vor Spinnen, vor Steuerfahndern und vor dem Zahnarzt. Letzterer geht mir, jedes Mal wenn ich ihn besuche, auf die Nerven. Da kann er zwar nichts dafür, er wäre ja noch sympathisch, aber die Nerven meiner Beisserchen sind etwas empfindlich auf ihn zu sprechen. Seine Zahnarztpraxis ist modern eingerichtet. Die Farben an den Wänden - alles zarte Pastelltöne -  wurden absichtlich so gewählt, da sie auf normale Menschen beruhigend wirken sollen. Auf mich wirken sie überhaupt nicht. Vielleicht hat ja meine Frau doch recht, wenn sie immer sagt ich sei nicht ganz normal! Ein weiteres Detail in dieser Zahnarztpraxis: Der Patient ist nicht Patient, sondern Gast. Das soll mich zusätzlich versöhnlich stimmen und meinen ganzkörper Krampf, den ich regelmässig auf dem Zahnarztstuhl erleide, abschwächen. Aber ehrlich gesagt: Alles für die Katz! Ich bekomme ja schon regelrechte Angstschübe, wenn ich im Briefkasten ein Couvert mit dem Absender meines Zahnarzt finde. Egal ob es eine Aufforderung zur Kontrolle, oder eine Rechnung ist. Und ist es eine Rechnung, dann verwandelt sich der Angstschub in eine Panikattacke. Egal was ich von ihm erhalte, es löst bei mir nichts Gutes aus. Da hilft mir die Tatsache, dass ich Gast bei ihm bin nicht weiter. Nun war ich letzte Woche wieder Gast im "Horrorhaus". So nenne ich den Wohnblock, in dem mein Zahnarzt seine Folterpraxis eingerichtet hat. Ich sass nun also mal wieder im "Vorhof zur Hölle", welches liebevoll mit "Wartezimmer" angeschrieben ist. Als mich die strahlend grinsende Gästebetreuerin im Wartezimmer abholte, war die Zeitung in meinen Händen bereits klitschnass. Nicht weil ich derart schwitzte. Aber ich las in dieser Zeitung, dass sie nun auch nicht mehr in Basel, sondern in Zürich gedruckt wird. Ist bald alles nur noch in Zürich, dachte ich mir. Dann könnte man doch die Fasnacht auch gleich mit dem "Böög"-Verbrennen zusammelegen, oder? Ich wünschte, mein Zahnarzt wäre nach Zürich ausgewandert, dann würde ich ihn nicht mehr besuchen müssen. Aber so wie es schien, denkt er nicht ans Auswandern. Ich nahm also auf dem Zahnarztstuhl Platz. Meiner Meinung nach wäre die Bezeichnung "Schleuderstuhl" um einiges treffender. Was ich beim Zahnarzt schon Geld verschleudert habe. Ja! Auch wenn er kein Loch oder sonstwas findet, kostet es immer Geld. Diesmal hatte er wieder Glück und seine weissen Zähne blitzten auf, so dass ich befürchten musste vorübergehend Schneeblind zu werden. Ein Loch! "Wollen wir es gleich in Ordnung bringen?", fragte er, "oder machen wir einen neuen Termin aus?" Ich sagte: "Machen wir einen neuen Termin. Ich hätte im Jahr 2045 noch Zeit um es flicken zu lassen!" Er lachte, obwohl ich es bitterernst gemeint habe. Was danach folgte kann ich nur mit dem Begriff "Tierquälerei" umschreiben. Alleine schon das hochtourige Summen des Bohrers. Wenn ich das höre denke ich immer: "Schalt' doch mal!" Nach gefühlten 10 Stunden war die Quälerei vorbei. Nebst zwei gefühllosen Backen - eine im Gesicht von der Betäubung und eine weiter unten vom verkrampften Sitzen - bekam ich noch eine Hiobsbotschaft von ihm auf den Nachhauseweg. Ich durfte über Mittag NICHT meine Stammbeiz besuchen! Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört. Zuerst bohrt er wie die NAGRA sinnlos in mir rum und dann erlaubt er mir nicht mal mein Stammrestaurant zu besuchen! Er sagte bei der Verabschiedung ganz deutlich: "Und denk dran. Heute darfst du nur auf der anderen Seite essen!" Frechheit!

 

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Zahnarzt
Die Kolumne "Zahnarzt" als Audio-Kolumne
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21. Januar 2013

Schuh-Psycho

 

Man lernt nie aus! Ich traf vor ein paar Tagen eine Bekannte von mir. Sie hatte mal Psychologie studiert, aber sonst ist sie nett. Als wir so im Gespräch vertieft waren, fiel mir auf, dass sie andauernd auf meine Schuhe schaute. Nein, es war eigentlich kein Schauen, es war vielmehr ein Glotzen. Ein unanständiges Glotzen, das einer feinfühligen Psychologin völlig unwürdig war. Irgendwann fragte ich sie, ob sie ein Problem mit meinen Schuhen hätte. Sie erklärte mir, dass sie unlängst einen Fachkurs für Psychologen besuchte, in dem sie gelernt habe, Menschen aufgrund ihres Schuhwerks zu beurteilen. "Aha", sagte ich, dachte aber "So ein Blödsinn können auch nur Psychologen glauben!" Sie bemerkte sofort, dass ich meine Zweifel hatte - das Studium hat doch was gebracht - und sie versuchte mich zu überzeugen. Menschen, denen alles gleichgültig sei, die würden auch keinen Wert auf den Zustand ihrer Schuhe legen. So könne man durchaus davon ausgehen, dass Zeitgenossen mit ausgelatschten und ungepflegten Tretern auch innerlich den Hang zum Chaos haben. Umgekehrt seien gepflegte und auf hochglanz polierte Schuhe eher im Besitz von Menschen, die in ihrem Leben ein gewisses Mass an Ordnung haben. "Aha", hörte ich mich wieder sagen. "In dem Falle sind Sandalenträger Menschen, die einen Hang zur Freizügigkeit haben", fügte ich meinem AHA scherzhaft hinzu. Wie erwartet verstand sie die humoristische Bemerkung nicht und kam ins Grübeln. "Du hast Recht. Das könnte ein Hinweis darauf sein." Ich kam in Fahrt und meinte: "Und wenn ich im Eglisee bin und all die Menschen mit Schlittschuhen sehe, sind dies vermutlich alles Leute die Schlittschuh laufen!" Diesen Beitrag aus dem Ressort Humor hatte sie verstanden, aber fand ihn gar nicht lustig. Plötzlich hatte sie es eilig und verabschiedete sich von mir. Und als sie davon stachelte sah ich ihre Schuhe. Eine Mischung aus Moon-Butz, Wanderschuh und Feuerwehstiefel. So was hatte ich auch erwartet. Typisch Psychologe, dachte ich mir. Auf alle Seiten abgesichert und ohne Mut sich zu was zu bekennen. Und als sie mir im Abgehen noch sagte: "Weisst du ich muss noch Schuhe kaufen gehen" fügte ich hinzu, "Aber du weisst, dass der Hufschmied heute zu hat!" Gestern traf ich sie wieder in der Stadt. Als sie mich sah, hat sie die Strassenseite gewechselt. Würde sie mich fragen, ich wüsste ihr einen guten Psychologen.

 

28. Januar 2013

Lieber rastlos

 

Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, muss man sich oft ärgern. Nicht nur wegen Kamikaze-Velofahrern, die ihre, an Suizidversuche grenzenden Manöver auf den Morgenverkehr verlegen. Ich meine auch nicht die roten Mobility-Fahrer, bei denen man schon von Weiten an ihrem Fahrstil ablesen kann, dass sie sich praktisch nie ins Kriegsgebiet "Strasse" verirren. Gottlob sind diese Autos alle im gleichen rot lackiert, so dass man sie schon frühzeitig erkennt und einen grossen Bogen um sie machen kann. Aber eigentlich wollte ich mich nicht darüber auslassen. Was mich viel mehr ärgert, sind die Raststätten auf den Autobahnen. Ich bin nun nicht schon in dem Alter, in dem ich auf der Fahrt von Basel nach Zürich fünf Mal anhalten muss, um mir die Beine zu leeren und die Blase zu vertreten - oder umgekehrt. Aber ab und zu kommt es vor, dass ich auf einer Raststätte raste - oft auch ausraste! Ich kapiere manchmal den Sinn und Zweck einer Raststätte nicht ganz. Ich dachte immer, man könne dort als gestresster Autofahrer wieder etwas runterfahren. Aber irgendwie ist genau das Gegenteil der Fall. Die Toiletten sind ja immer ganz weit vom Eingang weg. So muss man sich zuerst durch die vielen Passanten kämpfen, die sich die Zeit vor den Läden im Eingangsbereich totschlagen. Oft ganze Carbesatzungen, die sich irgendwie nur in der ganzen Gruppe bewegen können. Himmel nochmals. 50-köpfige Siamesische-Zwillinge. Dann endlich auf der Toilette, bekommt man für den Eintritt einen Bon für eine Konsumation in der Höhe des Einsatzes. Mist. Das ist bei mir gar nicht gut! Ich kann doch diesen Franken nicht einfach wegwerfen!! Also "muss" ich nach dem Wasserlösen unbedingt noch diesen Bon einlösen. Dabei wollte ich doch gar nichts kaufen - Nötigung! An der Kasse in diesem Lebensmittelladen stehen nun wieder diese Unzertrennlichen von vorhin vor mir. Ich habe einen Termin und sollte schon längst wieder im Auto sitzen. Der Blutdruck steigt. Als ich dann endlich wieder aus dieser Raststätte draussen bin, fühle ich mich gestresster als noch vorhin auf der überfüllten Autobahn. Super! Mit zittrigen Händen halte ich das Steuerrad und bresche zurück auf die Autobahn - was für eine Wohltat. Diese Raststätte taufe ich nun um. Von "Würenlos" ind "Würdelos"!