4. Februar 2013

Bitte nicht anfassen

 

Ist das vielleicht ein Anzeichen darauf, dass ich alt werde? Nicht dass ich es nicht mehr ertrage würde, wenn mich meine Frau ab und zu anfasst. Ich gerate regelrecht aber regelrecht in Rage, wenn ich Leute beim Einkaufen beobachte, die am Brotstand stehen und die Backwaren begrabschen. Das kann ich nun mal nicht leiden! Und wie ein alter Nörgler, dem sowieso früher alles besser schien, kann ich meine Kommentare selten zurückhalten. "Das Basler Brot ist kitzlig, Achtung!", oder "Sie müssen dem Baguette nicht den Puls fühlen, es ist schon tot." Was ernte ich auf solche Sprüche? Grosse Augen mit noch grösseren Fragezeichen darin. Tatsächlich gibt es Leute, bei denen es völlig normal ist alle Lebensmittel zuerst zu betatschen, zu drücken und fünfmal in die Finger zu nehmen, bevor sie es dann wieder ins Regal zurück zu legen oder sich zum Kauf der Ware entschliessen. OK, ich fasse meine Ware natürlich auch an. Ein Mal! Ich nehme das Brot in die Hand und lege es in den Einkaufskorb. Mich nerven ja nur die Leute, die ständig alles befummeln müssen. So als ob sie zu Hause niemanden zum Drücken haben und dann eben über das frische Brot herfallen. Würden die so bei der Arbeit mit ihren Kollegen umgehen, wären die alle schon längst wegen sexueller Belästigung auf der Strasse gelandet. Und was mich am meisten ärgert; Ich bin immer der Einzige, der was sagt! Oft beobachte ich, dass auch andere Kunden kopfschüttelnd die Grabscher entdeckt haben. Aber keiner sagt was. Alle schauen weg! Wie es draussen schon lange üblich ist, geizen nun auch in den Lebensmittelläden alle mit ihrer Zivilcourage. Man lässt die Fummler fummeln und nimmt sich dann eben das Brot daneben. Völlig daneben! Nach dem Einkauf blieb ich bei der Blumenabteilung nach der Kasse stehen und wartete auf den Grabscher. Ich war mal gespannt, ob er sich auch an Pflanzen, also an jungen Knospen vergreift. Als er sich der Blumenabteilung näherte und sich umschaute ging ich zu ihm. "Ich wüsste was sie hier betatschen könnten", sagte ich zu ihm, "Dort stehen Kakteen!" Ich ging eilig aus dem Laden. Schreien habe ich ihn nicht gehört...

 

 

11. Februar 2013

Alkoholfreie Fasnacht?

 

Nun Schränzen sie wieder! Im Baselbiet läuft die Fasnacht jetzt auf Hochtouren. Da wird geruesst, gepfiffen, geschränzt und gebechert. Leider gehört Letzteres bei vielen zur Fasnacht wie das Kostüm und die Larve. Ich kenne Fasnächtler, die sich nicht sonderlich für die Temperatur an der Fasnacht interessieren, aber wenn das Bier zu warm ist ausflippen. Irgendwie ist der Umstand, dass Fasnacht ist, ein Freipass fürs Vollaufen lassen. Wenn es Menschen gibt, die erst bei grossen persönlichen Problemen mal zur Flasche greifen, reicht vielen Fasnächtlern der Beginn des Morgestraich dazu völlig aus. Man will es ja schliesslich "glatt ha" zusammen. So als ob dies nur mit Hilfe von bewusstseinsverändernde Substanzen möglich wäre. An der Fasnacht ist für manch einen das Frühstück ein grosses Bier, die Zwischenmalhlzeit ein "Waggis" (Weisswein - Tonic), das Zvieri ein Kaffi Luz und das Abendessen ein Rotwein. Ich will nun nicht alle in den selben Humpen werfen. Natürlich gibt es auch Menschen, die alkoholfrei durch die drei schönsten Tage kommen. Und natürlich muss man unterscheiden zwischen aktiven Fasnächtlern und Besucher der Fasnacht. Für die Aktiven sind die nichtkostümierten Besucher, die torkelnd und lallend über den Räppli-Teppich wanken ein Dorn im Auge. "Die kommen nur um zu saufen!" Das hört man unter Aktiven oft. Kaum gesagt, bestellt man sich wieder ein grosses Bier und tut eigendlich das Selbe - einfach im Kostüm. Ich habe viele Jahre lang aktiv Fasnacht gemacht. Als Laterneträger, als Pfeifer, als Bänggler, als Wägeler oder als Guggenmusiker. Stets so alkoholfrei wie möglich, und meistens sogar ganz ohne Alkohol. Tatsächlich fielen mir die betrunkenen Nicht-Kostümler immer sehr früh schon auf. Oft schon vor Mitternacht. Aber ich habe auch die Kostümierten torkeln gesehen. Diese einfach erst nach 24 Uhr, da sie vorher noch zu Tun hatten und der Absturz eben erst später kam. Ich will hier nicht moralisieren, aber ich finde es sehr schade, dass vielen der "Rausch der drei schönsten Tage" nicht genügt und sie sich flüssig Aufheitern müssen. Schade... So, aber nun fertig mit Schreiben, sonst wird meine Flasche Weisswein zu warm und das mag ich gar nicht...

 

 

18. Februar 2013

E scheeni Fasnacht!

Ändlig isches wieder so wyt
Für die schönschti, fünfti Joohreszyt
Die ganzi Stadt isch bis an d Gränze
Am Pfiffe, Ruesse und am Schränze
Und Räppli fliege wild durch d Luft
Wo gschwängeret isch vom Fasnachtsduft

De schmeggsch Orange und Mimose
Entfärnt dr Fööhn us Waggis-Hoose
E Klöpfer imme Kartongfäss
E Mählsuppe! Jä, mit früschem Käs
E Naseorgie, wie sunscht e käini
DAS isch Fasnacht. Jä das meini

Us de Beize ghörsch es lache
Wenn d Bänggler ihri Pointe mache
Doch s Klatsche goht uff äi mol unter
D Fuege Fäger schränze, und munter
Hüüplet d Trumpete, wie an dr Mäss
Denn “Um-ta-um-ta-um-ta” und hinde noche d Bäss
Und wenn sie spiele, schmeck i d Töön
D Fasnacht, die isch äifach schön

So gits drei Dääg lang viel z entdecke
Zum Lose, Fühle, Schpüre, Schmecke
Und d Idrück schtröme gwaltig gross
Vo Gass zu Gass, vo Strooss zu Strooss
Die Farbe und die Fantasie
Dä fiini Witz, die Ironie
Ich lieb dr Lagg vo däne Larve
D Latärne mit de Sprüch, de scharfe
Ich lieb die Schritt vo kläine Clique
Vo grosse Züg, wo mi beglügge
En Ohre-Schmaus, wie sunsch e käine
DAS isch Fasnacht, wurdi meine

Ich bi soo froh, dörf ich erläbe
Wie Basel-Stadt drei Dääg duet schwäbe
Drei Dääg innere andre Sphäre
Als obs die letschte drei Dääg wäre

Jä d Fasnacht die het immer Platz
Für drei Dääg isch sie mi gröschte Schatz
Sie gässlet mir dur Arm und Bäi
Dur Liib und Seel und bliibt mer treu
Und leider glii isch sie verbii
Doch ohni sie, ka ich nit sy!

 

 

25. Februar 2013

Schauderfenster

 

Also am Liebsten gehe ich mit meiner Frau am Sonntag in die Stadt: zum "Lädele". Da haben die Läden zu und es kostet nichts. Allerdings schaut man sich dann auch die Schaufenster genauer an, als wenn die Läden geöffnet hätten. Und was man da alles sieht... Da gibt es Läden – ich nenne hier zum Schutz dieser keine Namen – die vermutlich mit dem Schaufenster mögliche Kunden vertreiben wollen. In einem Schau(der)fenster lag ein Prospekt auf dem tatsächlich für die EURO 2008 geworben wurde! Das ist doch auch schon ein paar Jährchen vorüber. Tatsächlich sah das Schaufenster auch so aus, als ob es damals zum letzten Mal geputzt worden wäre. Gottseidank war Sonntag, sonst wäre ich da bestimmt rein gegangen um zu schauen, wie es drinnen aussieht und hätte mir vermutlich eine Stauballergie eingefangen. In einem anderen Schaufenster wusste ich nicht recht, für was das Schaufenster gedacht war. Als Grümpelkammer oder als Altpapierdeponie. Da lagen alte Zeitungen rum. Diese waren von der Sonne, die ab und zu ins Fenster scheint schon so ausgebleicht, dass ich mir sicher bin, dass diese Leute, die diese Zeitungen mal gedruckt haben schon längst pensioniert sind. Neben dem Zeitungsstapel lag eine Schaufensterpuppe mit abgebrochenen Armen. "Brockenstube" stand über der Türe. OK, was die Schaufensterpuppe betrifft, stimmte diese Bezeichnung. Ein anderes Schaufenster war klitschnass. Nicht von Aussen, sondern von Innen, so wie man es manchmal bei Bumenläden sieht, wenn sich die Feuchtigkeit im Laden auf den Scheiben niederschlägt. Das war aber kein Blumenladen, das war ein Coiffeur. Da bekommt der Ausdruck "Dauerwelle" auch gleich einen neuen Sinn. Aber das schlimmste Schaufenster kam erst noch. Schon von Weitem sah ich, dass es richtiggehend verschmiert war. Es wirkte verklebt und trübe. Ich näherte mich dem Schaufenster und erblickte viele kleine, lustige Figuren, solche, die man sich gerne zu Hause in die Wohnwand stellen möchte. Die Preisschilde daran waren sehr klein und die Preise, die mein Interesse weckten noch kleiner. Also beugte ich mich vor und – BUMM! Ich schlug mit meinem Kopf ungebremst auf dem Schaufenster auf. AUA. Meine mit Niveacreme gut eingeschmierte Stirn hinterlies auf dem Schaufenster einen fettigen Abdruck. Und so wie das Fenster aussah, war ich heute nicht der Erste, der Spuren hinterlies...