1. April 2013

Ich Schweiss

 

Heute ist der 1. April. Darum bitte ich Sie, diese Kolumne auch wirklich ernst zu nehmen. Ich meine es – wie immer – todernst und will sie auf keinen Fall veräppeln. In den Restaurants in Basel herrscht striktes Rauchverbot. Das wissen Sie! Schon mal kein Scherz. Und seit die Paffer in den Beizen nicht mehr paffen, stinkt es zum Himmel, oder besser zum Plafon. Auch kein Scherz! Als man noch in den Restaurants das Lungenkrebs-Stäbchen ungeniert anzünden durfte, roch man vor allem eines: Rauch. Mit der Zeit hatte man sich ja auch daran gewöhnt, dass der Wurstsalat nach Rauchwurst roch, das Filet auch und irgendwie alles die gleiche Rauch-Note hatte. Selbst die Kleider haben nach Rauch gemieft. Und wenn man dann nackt im Bett lag, konnte die Frau am Geruch des Rauches, der sich bis in die Hautporen hinein geschlichen hatte - wie ein osteuropäischer Einbrecher in ein Einfamilienhaus– genau sagen in welchem Restaurant man war. Schon wieder kein Scherz! Heute ist das ganz anders. In den meisten Restaurants ist Rauchen verboten. LEIDER! Auch ich als Nichtraucher sehne mich oft nach dem klar definierten und klar zu erwartenden Rauchgestank von früher. Heute weiss man ja nie, was man zu erwarten hat. Da sitzt man neben einem Typen, der offenbar den ganzen Tag hart gearbeitet und geschwitzt hatte und bekommt die ganze Ladung Schweiss ab. Bei jeder Bewegung die er macht, kommt ein Schwall Schweiss auf mich zu. Und wenn er dann noch den Arm hebt, ein weiteres Bier bestellt, um seinen Durst zu löschen, dann löscht es mir regelmässig ab. Aber es gibt ja nicht nur die Schweisseler, es gibt auch die Düfteler. Das sind die, welche offenbar den Nachmittag in einer Parfümerie waren und von jedem Test-Düftchen ausgiebig probiert haben. Oder sie duschen nur einmal pro Woche mit Hahnenwasser und an den anderen Tagen wird mit Durftwasser geduscht. Die riechen dann so penetrant nach Parfüm, wie ein Elefant der alle Miss Schweiz Kandidatinen aufgefressen hat und danach furzen muss. Und wenn man den ganzen Abend in der Beiz neben einem "Dufter" sass und dann nach Hause kommt, fragt die Frau automatisch: "Bei welcher warst Du?" Da lobe ich mir Zeit, in der man in verrauchte Restaurants ging und mit dem Risiko leben musste, als Passivraucher zu sterben. Die Ausdünstungen von gepresstem Tabak in einer Papierrolle, welche die Ausdünstungen der Gäste überlagerte war besser, wie alles was einem nun in den Kleidern und Poren hängen bleibt. Und das meine ich ohne Scherz!!

 

 

8. April 2013

Kompetenz

 

Jedes Jahr – meistens gegen Ende – wird ein Unwort des Jahres aufs Siegertreppchen gehievt. Ich greife heute mal vor und nenne hier meinen Favoriten: KOMPETENZ! Ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass dieses schreckliche Wort beinahe überall und für alles verwendet wird? "Sozial-Kompetenz". Das wird jemandem zugesprochen, der seine Arbeitskollegen nicht gleich bei jeder Gelegenheit mobbt. "Emotionale-Kompetenz" hat jemand, der bei "Rosamunde Pilcher" keinen Heulanfall bekommt. Eine "Handlungs-Kompetenz" hat jemand, der in der Lage ist auf etwas zu reagieren und dann zu handeln. Hat die nicht jeder? Und die "Selbst-Kompetenz"? Die gibt es auch noch. Vermutlich hat man die, wenn man kompetent ist sich selber zu sein, oder so... Und so geht es weiter. Für alles und jeden gibt es eine Kompetenz. Letzthin sah ich ein Zeitungsinserat einer Restaurantkette. Da wurde mir versichert, dass dieser Kallorienbunker eine "Verpflegungs-Kompetenz" nachweisen könne. Super! Ich hoffe schon, dass ein Restaurantbetreiber die Kompetenz hat, mich zu verpflegen, oder? Und wo führt das noch hin? Können wir nicht mehr davon ausgehen, dass Berufsleute – egal aus welchen Branchen – in ihrer Arbeit die sie verrichten oder in der Dienstleistung die sie vollbringen kompetent sind? Das wäre ja schrecklich!! Ich würde mich in keinen Bus mehr getrauen, wenn der Chauffeur nicht über eine "Beförderungs-Kompetenz" verfügen würde. Man könnte nicht mehr mit gutem Gewissen ein Brot kaufen. Man müsste Angst haben nicht mehr satt zu werden, falls der Bäcker über keine "Sättigungs-Kompetenz" verfügt. Und man könnte keinem Politiker mehr trauen, denn man müsste vermuten, dass er keine "Wahrheits-Kompetenz" hat. OK, das letzte Beispiel ist nun vielleicht nicht so gut, denn wir alle verfügen über eine "Intelligenz-Kompetenz", so dass wir automatisch wissen, dass man Politiker nicht traut!

 

 

 

15. April 2013

Kling Glöcklein kling

 

Keine Angst! Ich denke nicht schon an Weihnachten. Obschon: In 8 Monaten ist es schon wieder so weit. Aber das ist heute nicht das Thema, sondern die Glöcklein der vielen Handys. Die Klingeltöne! Die nervigen Klingeltöne!! Da sitzt man irgendwo und denkt nichts Böses und schon wird man von allen Seiten beklingelt. Das geht von den überlauten Signet-Melodien der Vertragspartner bis hin zu halben Wagner-Arien. Bei den Standartklingeltönen, welche viele benutzen kann man in voll besetzten Restaurants oft folgendes beobachten: Ein Handy klingelt. Sogleich schrecken Horten von Menschen auf um ihre Jackentaschen abzutasten oder Handtaschen zu durchwühlen. Jeder glaubt der Gesuchte zu sein. Dann nimmt einer das Gespräch entgegen und die anderen entspannen sich wieder langsam und blicken den Telefonierer kurz an, so als ob sie ihm sagen wollten: "Mensch! Es gibt auch ne Stummschaltefuntion!" Das denken viele. Vor allem denken es die, welche ihr Handy nie stumm schalten und auf dumm schalten. Und warum mache ich das heute zum Thema? Ich kenne jemanden, der hat das mit den Klingeltönen zur Perfektion getrieben. Für jeden Kontakt in seinem Handy, hat er einen eigenen Klingelton erfasst. Und er hat viele Kontakte! So kann es passieren, sitzt man mit ihm irgendowo, dass man die komplette Hitparade der letzten 40 Jahre zu hören bekommt. Wenn sein Handy klingelt – und es klingelt oft - geht das von "Hey Jude" bis zu den "99 Luftballons" und wieder zurück zu "Major Tom". Und mit der Zeit begreift man, dass jeder Klingelton einen Sinn ergibt und zur Person passt die gerade anruft. Wenn seine schwangere Schwester mit ihm sprechen will, dann ertönt "Oh Baby, Baby ballaballa!" Passend, oder? Will sein Chef mit ihm sprechen, hört man einen wilden Dobermann bellen und als sein Handy die Titelmelodie von "Spiel mir das Lied vom Tod" schepperte wurde er nervös, bezahlte sein Getränk und ging – seine Frau war dran!

 

 

 

22. April 2013

Unverbindlich

 

Das nervt mich!! Es gibt so viele Menschen, die sind ja sowas von unverbindlich. Das bedeutet aber nicht, dass man sie – wenn sie sich den Kopf angeschlagen haben – nicht verbinden kann. Nein! Sie sagen was, tun es aber nicht. Sie versprechen was, halten es aber nicht. Und diese Tendenz ist zunehmend. Wie oft hören Sie selber von Leuten solche Sätze: "Weißt du was? Ich ruf dich an! Wir gehen mal zusammen essen!" Ich höre das oft. Würde ich mit der Nahrungsaufnahme warten bis ich diesen Anruf erhalte, ich wäre ich schon längst verhungert. Irgendwie hat es sich eingebürgert, dass man hinter die Verabschiedung noch was dranhängen muss. Es reicht kein "Auf Wiedersehen" mehr man muss noch was in Aussicht stellen, was dann aber nie mit Absicht eintrifft. "Auf Wiedersehen – wir sehen uns!" OK! Und warum so unverbindlich? Sag doch, wo und wann wir uns sehen!! "Auf Wiedersehen – wir machen mal wieder was zusammen!" Ja gerne! Wann und was? Bei solchen wischi-waschi Versprechungen frage ich oft nach, da ich was Konkretes abmachen will. Ich zücke dann meinen Handykalender und will gleich den Termin fürs nächste Treffen fix vereinbaren. Das kommt oft nicht gut an! Ich sei ein Planungs-Freak, oder wäre zu wenig spontan. Dann höre ich oft: "Weißt du was? Ich ruf dich an und wir machen dann spontan was ab!" Spontan heisst, ohne vorhergehendes Überlegen etwas zu tun, also ohne abwägendes Nachdenken zu handeln. Also will mich dieser nur wieder treffen, wenn er völlig gedankenlos zu Hause rumsitzt und nichts Besseres zu tun hat, oder? Aber will ich das?? Darum sagte ich ihm: "Weißt du was? Ich lade Dich mal zum Essen ein. Danach schenke ich Dir einen Sportwagen und wir gehen gemeinsam zur Bank, wo Du die Generalvollmacht über mein Konto erhältst, das machen wir mal spontan und unverbindlich..."

 

 

 

29. April 2013

Motivierend

 

Nun, da das Wetter wieder etwas monatsgerechter wird und der Blick aus dem Bürofenster mehr zu bieten hat als einheitliches Grau, wird es wieder schwerer sich zu motivieren. Tausend Dinge die mir einfallen, die ich nun draussen an der frischen Luft erledigen möchte. Alles Sachen die mir hundertmal sinnvoller erscheinen, als vor dem Büro-PC zu hocken. Aber da muss ich nun durch. Der meteorologischen Verlockung muss ich trotzen! Da hatte ich eine Idee. Ich klebe das Bürofenster mit grauer Bastelpappe ab und schon wähnte ich mich wieder in der trüben Jahreszeit, wo das Arbeiten drinnen ja viel angenehmer ist. Ich habs versucht, aber ohne Erfolg. Die Sonne schien derart aufdringlich an das Fenster, das deren Strahlen trotzdem ins Büro eingebrochen sind, wie osteuropäische Diebesbanden in regionale Bijouterien. Das brachte also nichts. Darum suchte ich im Internet ob es Motivationshilfen gibt, um sommerliche Tage im tristen Büro schadenfrei überleben zu können. Und tatsächlich: Das Netz wusste Rat. Ein gescheiter Forscher aus den USA hatte eine Studie veröffentlicht in der er nachweisen konnte, dass Fotos von Tieren am Arbeitsplatz den Betrachter motivieren. Ganz unter dem Motto: Sich von Tieren motivieren, oder so... Ich suchte also gleich nach passenden Tiermotiven. Ich stiess auf ein wunderbares Bild eines Grauwals. Aber irgendwie erinnerte mich das Bild an mein Übergewicht, so dass ich es wieder von der Wand riss. Dann druckte ich mir ein Bild eines schlafenden Kätzchens aus und klebte es an die weisse Fläche mir gegenüber. Und je mehr ich das Foto betrachtete, desto schläfriger wurde ich. Das war auch nicht gerade motivierend. Ich versuchte alles Mögliche aus. Mikroskopische Bilder von Milben, Bilder von Fröschen in allen Farben auch Hyänen und Giraffen versetzten mich nicht gerade in Arbeitswut. Da fand ich in der Schublade meines Bürotisches ein Bild meiner Schwiegermutter. Das klebte ich an den Rand meines Computers und siehe da: Urplötzlich wollte ich nur noch im Büro bleiben. Der Gedanke daran ich könnte meiner Schwiegermutter draussen begegnen war Motivation genug, bis zum Eindunkeln vor dem PC zu sitzen und zu arbeiten! OK. Der Amerikanische Forscher sprach von Tierbildern, die man sich am Arbeitsplatz aufhängen sollte. Wer meine Schwiegermutter kennt der weiss, dass sich diesbezüglich die Abweichung in Grenzen hält. Und das ich sie aufhängen konnte war irgendwie tatsächlich motivierend...