1. Oktober 2012

Geschäftsidee?

 

Die folgende Geschichte habe ich beim Warten aufs Tram gehört. Ich sass auf einer Bank und neben mir standen zwei junge Mütter mit ihren "Erzeugnissen" an der Hand. Beide hatten Kinder, die vermutlich so an der 9 Jahresgrenze nagten. Die eine Mutter war wütend, denn ihr Nachkomme hatte was angestellt. Das was er angestellt hatte war – finde ich – sehr kreativ. Trotzdem muss der Lausbub bestraft werden, da war ich mit der erbosten, weiblichen Erziehungsberechtigten einer Meinung. Der kleine Strolch hatte sich zu Hause mehrere Einkaufsjetons aus der Kommode stibitzt. Sie kennen diese, Geldmünzen nachempfundenen Metallscheiben auch, die man an Stelle von Geld in einen Einkaufswagen steckt, um diesen benutzen zu können. Mit etwa 20 Stück davon machte er sich zum nächsten Laden auf. Dort entsicherte er sich den ersten Einkaufswagen und blieb dort stehen. Er hatte es auf Kunden abgesehen, die ebenfalls einen Einkaufswagen wollten. Und schon bald hatte er Glück. Die erste Dame kam, drückte ihm einen Zweifränkler in die Hand und er überliess ihr freudenstrahlend den Einkaufswagen. So "verkaufte" er alle wertlosen Jetons. Also ich fand die Idee noch gut. Auch eine Möglichkeit sein Taschengeld aufzubessern, aber natürlich verwerflich und unanständig, wie die Zuhörerin richtig bemerkte. Und dann passierte es. Nach unserem letzten Grosseinkauf standen ich und meine Frau in der Tiefgarage des Ladens und waren gerade mit dem Einkaufen fertig. Da Grossandrang herrschte waren die Einkaufswagen rar. Ein älterer Herr kam zu mir und fragte ob er den Wagen haben könne. Ich nickte und er drückte mir zwei Franken in die Hand und rauschte mit dem vierrädrigen Einkaufs-Rollator ab. Im Auto lachte meine Frau. Ich wusste nicht, was da so komisch war und sie sagte nur: "Du hast diesem Mann eben einen Einkaufs-Jeton für zwei Franken verkauft. Sein Gesicht will ich sehen, wenn er es bemerkt!"

 

 

8. Oktober 2012

Wie im echten Leben

 

Nicht dass Sie nun glauben, ich leide unter einer Herbstdepression – falls es so was überhaupt gibt. Aber als ich letzte Woche wieder mal mit dem Zug nach Zürich fuhr kam ich ins Grübeln. OK. Die Tatsache, dass ich mich einen ganzen Tag in der "Läckch-Bobby"-Stadt aufhalten musste könnte schon eine Depression auslösen, aber das ist ein anderes Thema. Zugfahren hat viele Parallelen zum echten Leben. Finden Sie nicht auch? Das Abnabeln eines Teenagers vom Elternhaus ist fast wie das Wegfahren des Zuges aus dem Bahnhof. Man verlässt das Bekannte und nähert sich dem Fremden. Auf dem Lebensweg – pardon – auf der Zugfahrt wird man dann von allerlei Menschen begleitet. Manche kommen einem etwas näher und setzen sich einem gegenüber. Andere hingegen eilen nur an einem vorbei, um sich in einem weit entfernten Wagen nieder zu lassen. Wie im echten Leben wird man auf einer Zugfahrt oft durchgeschüttelt und eine fremde "Macht" stellt die Weichen.  Auch das Grauen reist mit! Im Zug erlebt man das vor allem dann, wenn man die Toilette aufsuchen muss. Warum auch immer fand ich mich in einer Toilette wieder, in der ich vor einer wichtigen Entscheidung stand – wie im echten Leben. In die Hose machen, oder sich überwinden, sein Geschäft irgendwo zwischen Frick und Baden auf den Geleisen zu verteilen. Auch das erinnerte mich an das echte Leben. Man hinterlässt im Laufe der Zeit seine Spuren und irgendwann stösst man mal wieder darauf. Letzteres hoffe ich natürlich ist nur im echten Leben so und betrifft nicht meinen Toilettengang. In Zürich angekommen, verliess ich zögerlich den Zug und irrte eine Weile auf dem Bahnhof rum, bis ich meinen S-Bahn Anschluss gefunden hatte. Ich rannte in den Katakomben des Verkehrsknotenpunktes umher. Stiess japanische Touristen um und rempelte mich durch das Menschengewühl. Wie im echten Leben. Ich schwitzte und keuchte und plötzlich lief es mir kalt den Rücken runter. Wenn Zugfahren so was wie das echte Leben sein könnte, dann kann der Bahnhof Zürich eigentlich nur eines sein: Die Hölle!

 

 

15. Oktober 2012

Was mach ich falsch?

 

Langsam aber sicher glaube ich, ich habe einfach nur Pech! Oder mache ich was falsch? Wenn ich fernsehe, dann sehe ich was ich haben könnte. Coole Typen rasieren sich und SCHWUPPS haben sie gleich zwei gutaussehende Frauen im Arm, von denen sie angehimmelt werden. Ich habe letzte Woche die genau gleichen Rasierer gekauft. Blieb noch einen Moment vor dem Regal stehen und schaute mich um. Ich wollte den beiden Girls die Chance geben mich nicht zu verpassen. Aber weit und breit keine schönen Frauen in Sicht, die sich um meinen Hals schlagen wollten. Und an der Kasse auch nicht, wo ich nicht einmal angehimmelt wurde. Vielleicht funktioniert das ja nur, wenn man sich mit den Dingern rasiert. Ich muss Sie enttäuschen. Auch da passiert nichts. Ich war der Einzige, der da war – vor dem Spiegel. Und sogar als ich mich geschnitten hatte und das Blut von meiner Wange tropfte kam kein nettes Mädchen und schmiegte sich an meine Brust. So was ist doch Betrug, oder nicht? Und was ist mit dem Schnellgericht, das Null-Komma-Plötzlich fertig sein soll und dann in der TV-Werbung so ausschaut, als ob ein 5-Sterne-Koch den Teller angerichtet hat? Auf der Packung stand "In 3 Minuten genussfertig". Ich hatte ja schon 10 Minuten um die blöde Verpackung auf zu kriegen. Und nach 3 Minuten war das noch so kalt, dass sich sogar ein Pinguin daran erkältet hätte. Nein ehrlich! Im Fernsehen wird man immer nur angelogen. Das ist ja oft auch bei den Wetterprognosen so. Da wird von "etwas Bewölkung" gesprochen und wenn ich raus gehe, dann schüttet es aus Kübeln. Sogar vor Fussball-Übertragungen macht die mediale Lügenwelle keinen Halt. Da verspricht der Moderator "das wird ein Spitzenspiel" und nach 90 Minuten trennen sich die beiden Mannschaften 0:0 und die beiden Torhüter rangeln zum Schluss noch um den Ball, damit sie in wenigstens einmal berührt haben. Nein! So nicht! Da höre ich doch lieber Radio. Das tat ich dann auch. Der Moderator kündigte die 6 Uhr Nachrichten an und ich dachte: Super, da kann ich ja noch etwas liegen bleiben. Danach meldete er sich wieder zu Wort und teilte der Welt mit, dass er sich versprochen hatte, denn es wäre bereits 9 Uhr. Super! Irgend was mach ich falsch...

 

 

22. Oktober 2012

Blöde Sprichworte!

 

Es gibt Leute, die nerven mit Sprichworten, die sie einem in einem Gespräch um den Kopf schlagen. Oft benutzen diese Menschen, diese leeren Worthülsen ja nur, weil sie sonst nicht wüssten, was sie sagen wollen. "Ordnung ist das halbe Leben" grinste der Kondukteur im Zug, als ich mein Billett nicht gleich auf Anhieb fand. Er hätte ja gleich sagen können, dass ich in meiner Tasche ein Saupuff habe und dass ich mich besser auf die Ticketkontrolle hätte vorbereiten können, denn jeder Mensch weiss, dass im Zug der Kondukteur den Fahrschein sehen will. Aber nun weiss ich, dass ich das halbe Leben vergeuden mussd um Ordnung halten zu können – super. Er blieb stehen und beobachtete mich, leicht säuerlich, wie ich das Ticket suchte. Je länger er da stand und schaute um so nervöser wurde ich beim Suchen. Hätte ich auch einige Sprichworte parat gehabt, hätte ich ihm sagen können: "Geduld ist ein edel Kraut, wächst aber nicht in allen Gärten!". Aber stattdessen wühlte ich in meiner Tasche wie in der Clarastrasse eine Schnäppchenjägerin in einem Wühltisch eines 1 Franken-Shops. Der Kondukteur wurde immer ungeduldiger und er klopfte mit seinen Fingern auf sein modernes Ticketlesegerät. Dann begann er: "Ich persönlich verstaue das Ticket immer am selben Ort. So finde ich es, wenn man es sehen will." Toll, dachte ich, nun wäre das auch geklärt. Bestimmt braucht der sowieso kein Ticket, da er als Angestellter umsonst fahren kann. Dann führte er weiter aus: "Ich persönlich habe in solchen Angelegenheiten immer eine penible Ordnung. Mir wäre es nämlich sehr peinlich wenn andere auf mich warten müssen!" Super. Solche Sachen motivieren mich enorm. Da stellt sich gleich bei mir eine gewisse Ruhe beim Suchen ein und die Hände zittern auch gar nicht mehr. "Ich habe Ordnung und Genauigkeit von zu Hause aus gelernt. Ich bin da korrekt. Ich finde immer alles. Ich müsste nie so lange suchen!" Endlich hatte ich das Zugbillett gefunden und streckte es im unter die Nase. Er knipste ein Loch in den Papierfetzen und ging mit den Worten: "Ich wünsche einen schönen Tag!" Da viel mir plötzlich auch ein Sprichwort ein, dass ich vor mich hin zischte: "Der Esel nennt sich immer zuerst". Da stand er auf einmal wieder vor mir und sagte spitz: "Das hab ich denn gehört!!"

 

 

29. Oktober 2012

Singt, Männer, singt!

 

Einmal im Jahr muss ich... NEIN... ich beginne nochmals von Vorne. Einmal im Jahr DARF ich mit meiner Frau an die OLMA nach St. Gallen. Meine Frau stammt aus der Ostschweiz und für Menschen aus dieser Region bedeutet die OLMA sehr viel. Das sei mit einem Fasnächtler zu vergleichen, der auch nicht ohne Fasnacht auskommt. Nun ja. Für mich hingt zwar dieser Vergleich – nein – er geht gar an zwei Krücken. Die Fasnacht ist doch immerhin ein Brauchtumsanlass, aber die OLMA? Obschon man dort sehr üppige Frauen mit noch üppigeren Trachten sehen kann. Man spürt auch die Nähe zur Landwirtschaft. Oft denkt man: Oha, da vorne geht’s vermutlich in eine Tierausstellung, es riecht zumindest schon so. Bis man dann bemerkt, dass man neben einem stämmigen Mann in einer Faserpelz-Jacke steht, der vermutlich noch vor ein paar Stunden damit in seinem Stall war. Nicht dass ich dies sonderbar fände, denn an der OLMA erwartet man so was ja regelrecht. Was ich hingegen schon etwas komisch finde ist, dass es ausgewachsene Männer gibt – sie treten auch im Rudel auf – die an einem Stand stehen und zusammen singen. Aber ohne Text. Sie "jaulen" vielmehr eine Melodiefolge. Meist beginnt der kleinste in der Gruppe mit der höchsten Stimme. Er beginnt alleine. Es klingt wie ein Jodel, einfach ohne Jodel. Und nach ein paar Takten stimmen die andern in der Gruppe ein. Dabei stehen sie im Kreis und blicken ins Leere oder auf den Boden. Diese singenden Gruppen – meine Frau klärte mich auf man nennt das "Zeuerle" – werden auch von niemandem engagiert. Niemand will dass sie singen und trotzdem tun sie es. Die Gesänge dauern dann oft auch recht lange und am Schluss applaudiert auch niemand. Das ist da einfach normal, das gehört bei der OLMA offenbar dazu. Meine Frau erklärte mir, dass dies eine reine Männersache sei. Das sei auch selten ein Chor, sondern eine zufällig formierte Männergruppe. Das "Zeuerle" sei noch etwas vom letzten, das Ostschweizer Männer tun können, ohne dass eine Frau reinredet, oder was zu Sagen hätte. ECHT? Ich beneide die Ostschweizer!