4. Juni 2012

Ruhigen Flug

 

Heben Sie gerne ab? Ich meine nun nicht das Telefon zu Hause oder nach erfolgreichen Erlebnissen. Ich meine mit dem Flugzeug. Ich hasse das Fliegen. 340 Tonnen, die sich in die Luft wuchten, das ist doch nicht normal? Und dann das Geschüttel und Gerüttel in der Luft. Von der Autobahn kenne ich das, aber in 10 Kilometer Höhe gibt es keine kaputten Strassen, sondern nur weiche Wolken und viel Luft. Und trotzdem schüttelt es. Erst kürzlich durfte – oder musste -  ich wieder mal so ein Koloss besteigen, um meine Frau zu besuchen, die gerade im Ausland eine fremde Sprache lernt. Sie tröstete mich am Telefon, dass das Wetter gut sei und ich mit keinen Turbulenzen zu rechnen hätte und sie meinte noch, bei den heutigen Flugzeugen mit dieser modernen Technik, wird es niemandem mehr schlecht beim Fliegen. Ach so?! Es wird niemandem mehr schlecht beim Fliegen? Darum steckt in der Sitzhalterung vor mir und gut sichtbar eine Kotztüte! Die ist vermutlich nur aus nostalgischen Gründen dort, als Erinnerung an die Zeiten des Fliegens, bei denen sich die Tanks des Fliegers entleerten und sich die Mägen einiger Passagiere entschlossen, dasselbe zu tun. Auch das Blatt mit den Sicherheitsanweisungen bei einer Notlandung und die gymnastischen Übungen der Flugbegleiterin während sie uns zeigt, wie man die Sauerstoffmaske anzieht, wenn das Flugzeug abstürzt, dienen ja nur zur Unterhaltung? Ich bin doch nicht blöd! Würden Sie staunen, wenn sie einen Elefanten am Himmel schweben sehen? Sie würden staunen! Der wiegt aber nur 5 Tonnen. Fliegen jedoch 340 Tonnen über unsere Köpfe, dann ist dies uns nicht mal mehr einen Seitenblick wert. Ich sitze nun also in diesem Koloss und fliege. In der Woche davor habe ich strenge Diät gehalten, in der Hoffnung, dass meine drei Kilo Gewichtsverlust das Abheben von der Piste erleichtern. Endlich auf 10'000 Meter Höhe angelangt, versuche ich meine Fingernägel wieder aus dem Sitzpolster zu bekommen. Zu meiner Verwunderung schüttelt es kaum! Jedoch schüttelt es meinen Sitznachbarn. Er greift zur Kotztüte und füllt diese mit einigen Würggeräuschen. In einer Brechpause schaut er zu mir rüber und deutet auf meine Tüte. Ich gebe sie ihm mit den Worten: "So was! Wer übergibt sich denn schon im Flugzeug. Oder müssen sie im Zug auch Kotzen?" Kopfschüttelnd schaue ich zu den anderen Passagieren und tue so, als ob Fliegen zu meiner Hauptbeschäftigung gehört.  Die Flugbegleiterin kommt und tauscht die vollen Tüten des Nachbars gegen Nachschub aus. Der Nachbar greift nach beiden, ich reisse ihm aber eine aus der Hand und im Duett würgen wir drauflos. Beim Aussteigen höre ich, wie der Fluggast hinter uns zu seinem Nachbar sagt: "Hoffentlich haben wir die beiden beim Rückflug nicht mehr vor uns. Ich habe genug von diesem Duo: BRECH und REIZ!"

 

 

11. Juni 2012

Sackbefehl

 

Sackbefehl! Das einzige, was mir von meiner Militärkarriere geblieben ist. Für alle Glücklichen, die nicht wissen was das ist, sei es hier in Kürze erklärt. Im Erwachsenenkindergarten lernt man während Wochen, dass jeder Angehörige der Armee (man nennt dies auch wie im Kindergarten AdA) gewisse Dinge auf sich tragen muss. Sachen wie Ohrstöpsel, Sackmesser und noch andere Dinge. Das hat mich offensichtlich geprägt, so dass ich noch heute meinen persönlichen Sackbefehl täglich auf mir trage. Handy, Schlüssel, Taschentücher, Portemonnaie, U-Abo, Mundspray und Brillenputztücher. Im Militär wurde man vom Offizier bestraft, hatte man den Sackbefehl nicht bei sich und heute bestraft dich das Leben. Klar! Wenn man was braucht, was man nicht hat, dass ist unangenehm! Das Handy darf bei mir zum Beispiel nie fehlen. Ich bin selbständig, was soviel heisst wie ich arbeite selbst und das ständig. Da muss man erreichbar sein. Die Hausschlüssel trage ich auch immer mit mir. Logisch. Hätte ich sie nicht dabei, wenn ich aus dem Haus gegangen bin, dann würde dies bedeuten, ich habe die Haustüre nicht verriegelt, oder der Schlüssel steckt noch im Türschloss. Beides nicht sehr beruhigend. Dann begleiten mich auch immer Papier-Taschentücher. Könnte ja sein, dass plötzlich die Nase läuft. Wenn man dann die Nasen-Tränen elegant in ein Taschentuch reinschnäuzen kann , macht sich dies einfach besser, als wenn man dazu den Ärmel seines Pullovers benutzt. Das Portemonnaie ist auch mein täglichen Begleiter. Nicht dass ich immer Geld bei mir hätte – nein – aber das U-Abo und alle anderen kleinen, praktischen Plastikkärtchen müssen auch irgendwo wohnen. Ach ja, einen Odol-Mundspray halte ich auch immer griffbereit in einer meiner vier Hosentaschen. Ich leide zwar nicht unter meinem Mundgeruch, aber oftmals unter dem meiner Gesprächspartner. Und wenn ich in einem Gespräch jede Minute den Spray zücke und zwei bis drei intensive Menthol-Attacken in meinen Mund abgebe, dann nennt sich dies: Nonverbale Kommunikation. Ich würde auch gerne mal sagen: "Was riecht hier denn so? Ist ein Bauer am Güllen? Ach nein, dass ist bloss dein Mundgeruch!" Ich finde meine Lösung mit dem Spray etwas konfliktfreier. Und zu guter Letzt habe ich immer einige Brillenputztücher dabei. Als Brillenträger gibt es nichts Unangenehmeres, als Regentropfen oder Fingerabdrücke auf den Gläsern. In so einem Fall reicht ein Griff zum Brillenputztuch und schon ist das Problem beseitigt. Nur mit diesen Utensilien in der Tasche, wage ich mich überhaupt vor die Tür. Auch gestern. Aber was war denn das? Es hat keiner angerufen, kein BVB-Kontrolleur wollte mein Abo sehen, die Nase blieb rotzfrei, die Brille sauber und kein Mundgeruch weit und breit!  Ich war regelrecht enttäuscht. So, dass ich heute mal alles zu Hause hab liegen lassen, was ich sonst mitschleppe! Ein komisches Gefühl kann ich Ihnen sagen! So als ob man nackt in der Sauna sitzt und alle anderen sind angezogen. Morgen habe ich meinen "Sackbefehl" wieder dabei!

 

 

18. Juni 2012

Nonverbale Kommunikation

 

Etwas sagen mit 1000 Worten, dass kann jeder. Alles sagen mit einem Blick, dass können nur Frauen! Frauen sind für mich die Meister... sorry... die Meisterinnen in der Disziplin, ohne was zu sagen, was zu sagen. Und meine Frau beherrscht diese Kunst besonders gut und ich befürchte, sie wird darin immer besser werden. Wenn sie mit mir nicht zufrieden ist, sei es dass ich den falschen Haarspray für sie gekauft habe, dann braucht sie nichts zu sagen. Die Art und Weise, wie sie den Spray entgegen nimmt spricht Bände. Die Feinheiten dieser sprachlosen Kunst haben unendliche Fazetten. "Gibst du mir die Butter", wird durch einen kleinen, sehnsüchtigen Blick in Richtung des Brotaufstriches ersetzt. "Du solltest mal wieder etwas abnehmen" muss von ihr nicht ausgesprochen werden. Es reicht ihr Blick, wenn sie eine meiner Unterhosen beim Bügeln ausgestreckt in den Händen hält und dabei beide Augenbrauen hoch zieht. Ich bewundere Frauen, wie meine, die das können! Da lernt man Englisch, Französisch oder Italienisch, um sich möglichst mit vielen Menschen unterhalten zu können aber die Frauen brauchen nur eine Sprache: Ihre Mimik! Ich frage mich schon, warum das so ist. Warum Frauen in der Lage sind, etwas zu sagen, ohne dabei den Mund aufmachen zu müssen. Ich habe sehr lange darüber gegrübelt und bin nur auf eine mögliche Erklärung gekommen: Vielleicht können Frauen dies besonders gut, weil sie nichts zu sagen haben? In dem Moment schaut mir meine Frau über die Schulter und sieht was ich hier schreibe. Ein Blick von ihr genügt und ich weiss, was sie davon hält. Nach dem ich von ihr noch einen Klapps mit der Hand auf meinen Hinterkopf bekommen habe muss ich meine ganzen Aussagen präzisieren. Frauen können sich nicht nur gut mit ihrer Mimik, sondern auch mit den Händen ausdrücken.

 

 

 

25. Juni 2012

So gemein!

 

Die Welt ist einfach ungerecht! Das habe ich an dieser Stelle, glaube ich, schon einige Male bemängelt. Dabei rede ich nicht mal von der fiesen Regenwolke, die immer genau dann, wenn ich grillieren will um die Ecke kommt um sich zu entladen. Ich meine mit der globalen Ungerechtigkeit auch nicht die Warteschlangen an den COOP-Kassen. Immer die Schlange, in der ich mir die Beine in den Bauch stehe, wartet länger als die neben mir. Ich meine mit der Ungerechtigkeit auch nicht die Tatsache, dass immer die Politiker die ich wähle, nie von der Mehrheit für gut befunden werden. Ich spreche hier von der gemeinsten, von der übelsten, von der miesesten und hinterlistigsten Ungerechtigkeit auf unserem Planeten. Der Champions League der Ungerechtigkeiten: Dem Gegenwind. Ich fahre schon nicht gerne Velo. Und wenn ich mich mal auf den drahtigen Esel schwinge  – falls man das überhaupt schwingen und nicht wuchten nennen will – dann plagt mich dieser elende Gegenwind. Egal wo ich fahre. Ich keuche mich die Strasse entlang und er furzt mir ins Gesicht! Erfolgreich hindert er mich so daran, die 5 km/h-Marke zu durchbrechen. Ich fechte ich mit ihm ein gnadenloses Duell auf der Hinfahrt aus, so dass er mir die Haare zerzaust – ich meine die Augenbrauen, da habe ich noch Haare – und auf der Rückfahrt kommt der Fiesling nicht wie ich erwartet hätte von hinten, nein er prallt auch dann frontal auf mich drauf. So muss sich ein Formel-1-Bolide im Windkanal fühlen! Finden Sie das nicht auch gemein? Ich habe mal meinen Bruder gefragt. Er ist sehr gescheit und weiss enorm viel – wir sind fast wie Zwillinge – und er meinte, dass würde ihm nie passieren. Er hätte auf dem Velo noch nie Gegenwind gehabt und er wüsste echt nicht, warum man sich darüber derart aufregen könne. Als ich ihn fragte, wo er denn so fährt, dass er noch nie den windigen Bremser begegnet sei meinte er nur: "Ich bin noch nie Velo gefahren!" Ich sagte ja, mein Bruder ist gescheit!!