6. Februar 2012

Sie haben gewonnen!

 

Erhalten Sie diese Mails auch immer wieder? "Sie haben gewonnen!" OK, dieser Satz löst bei mir schnell Bauchkribbeln aus und kalter Schweiss versammelt sich auf meiner hohen Stirn. Was habe ich wohl gewonnen? Eine Weltreise? Eine Harley Davidson – also ein Modell 1:50, oder vielleicht so viel Geld, dass ich nicht mehr weiss, was ich damit tun soll? In regelmässigen Abständen erhalte ich Mails, mit dieser verlockenden Aussicht in der Betreffzeile. Jedes Mal lese ich die Mails und stelle dann schnell fest, dass ich vor allem eines gewonnen habe: Erfahrung. Eigentlich sollte ich es ja besser wissen. Mails mit der Ankündigung "Sie haben gewonnen" deuten in der Regel darauf hin, dass man NICHTS gewonnen hat, sondern erst mal irgend wo hin Geld überweisen soll, um dann vielleicht einmal was zu gewinnen! Was, das interessiert mich eigentlich nie, denn ich ärgere mich immer über mich, dass ich diese Mail wieder gelesen habe, obschon ich eigentlich weiss um was es geht. Aber "Sie haben gewonnen" löst bei mir ein Reflex aus, den ich nicht kontrollieren kann. Wie "Essen ist fertig"! Es würde mich mal interessieren, wie viele Menschen nach dem Lesen solcher Mails tatsächlich Geld auf diese dubiosen Konten einzahlen und dann auf eine echte Gewinnbenachrichtigung warten. Die können lange warten. Ich habe mir geschworen, das nächste Mail mit dieser verlockenden Ankündigung sofort und ungelesen zu löschen! Echt! Werde ich tun. Ich werde dann auch nie wieder auf solche Ankündigungen reinfallen. Ich spiele seit vielen, vielen Jahren kein Lotto mehr und mache prinzipiell bei keinem Wettbewerb mit! Mein Bruder Guido hält dies nun schon seit über 25 Jahren so. Er sagt immer: "Der, der kein Geld für Lotto oder fürs Spielcasino ausgibt hat ja bereits gewonnen, da er kein Geld verloren hat!" Das mache ich nun auch so....ehm... Moment. Ich glaube es ist eben ein Mail gekommen. "Sie haben gewonnen". Entschuldigen Sie mich, ich muss da schnell was Lesen...

 

 

 

13. Februar 2012

Eine grosse Familie

 

Ob man sie Mafia, Camorra oder Cosa Nostra nennt, gemeint sind immer Familien oder ähnliche Gemeinschaften. Bei uns heisst das FASNACHT. Abgesehen von der fehlenden Gewaltbereitschasft kann man die Fasnachts-Familie durchaus mit den oben genannten Organisationen vergleichen. In jeder "Familie" hat es die Obmänner, die ihre Verbündeten um sich scharren. Dann lebt jede "Familie" von den Sympathisanten und dem Ansehen in der Fasnachts-Gesellschaft. Wie bei der Mafia gibt es auch unter der FASNACHTS-Camorra Rivalitäten. Diese werden allerdings nicht mit bleihaltigen Schiessereien ausgefochten. Die Fasnachts-Fehden werden stets verbal und pointiert geführt. Oftmal gewinnt die "Familie", die den schöneren und besseren Fasnachts-Zug präsentieren kann. Dann redet man für einige Tage von der wahren Pracht und dem unglaublichen Ideenreichtum. Unter den Fasnachts-Mafiosi herrscht ein Kitt, den man sonst nur vom Klebstoff der dritter Zähne her kennt. Man unterstützt sich in der "Familie" und hat ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das manch einer zu hause bei seiner echten Familie nicht hat. Man kennt sich und ist per Du. Dies funktioniert zwischen einem Bankdirektor und dem Ausgesteuerten und zwischen SVP und SP Politikern. Was das "normale" Leben nicht schafft, gelingt der Fasnacht mit Bravour. Und dies auch oft über die eigene Clique hinweg. Da umarmen sich SEIBI-Mafiosi mit der VKB-Camorra und die NEGRO RHYGASS herzt die SCHOTTE-CLIQUE. Einigkeit, Geselligkeit, Heiterkeit! Alle sind sich einer Meinung: Wir sind alle eine grosse Fasnachts-Familie und wollen gemeinsam die drei schönsten Tage erleben. "Gäll Digge!" Und schon am Fasnachts-Donnerstag sagt der Ausgesteuerte zum Bankdirektor: "Salli Megge!" Und der Bankdirektor sagt zum Ausgesteuerten: "Was isch, hämmer zämme Säu g'hietet?" Es lebe die Fasnachts-Familie!

 

 

 

20. Februar 2012

Ein ganz normaler Sonntag

 

Ich will mich nun outen! Ja, ich bin Allschwiler!! Ich sage "Chirchä" und "Chees" und nicht "Kirche" oder Kääs". Dafür werde ich in Basel oft hoch genommen, nicht verspottet, aber belächelt. Und als echter Allschwiler besucht man natürlich auch den Fasnachts-Umzug. Logisch! Und da nehme ich oft die Basler hoch, denn wenn "wir" schönes Wetter haben, dann kann es sein, dass die Basler Fasnacht vom Petrus nicht so gut behandelt wird. Aber an der Fasnacht gibt es eh kein Wetter – ich weiss... Dass man als Allschwiler "seine" Fasnacht toll finden kann, können viele meiner eingefleischten Basler-Freunde nicht recht begreifen. Dass es da Cliquen gibt, die für einen Zweistundenumzug aufwändige Wagen bauen und extra Larven und Kostüme machen, ist aus der Sicht der Basler Fasnacht, an der man schliesslich an zwei Nachmittagen durch die Stadt kurvt, nicht immer verständlich. Aber sonst haben wir an der Allschwiler Fasnacht alles, was das Herz begehrt: Viele Wagen, Guggenmusiken, Cliquen und Kindergrüppchen. Auch an der Allschwiler Fasnacht stehen viele fröhliche Menschen am Strassenrand und haben den "Plausch" am vorbeiziehenden Treiben. Man sieht lachende Menschen und... oha... was ist das? Eine "Horde" Jugendlicher steht da im Dorfkern. Unkostümiert aber für den Ausgang zurechtgemacht. Mit Bierdosen in der Hand und offensichtlich schon angetrunken. Für manchen vielleicht kein Problem, wenn es sich um jugendliche Erwachsene handeln würde und wenn es bereits 21 Uhr wäre. Aber die stehen da um 14 Uhr und torkeln schon rum und sind vielleicht knapp 15 Jahre alt. Zu meinem Nachbarn am Strassenrand, den ich nicht kenne, sage ich noch, dass ich das etwas speziell finde was ich da sehe. "Und nur weil Fasnacht ist". Da sagt er trocken zu mir: "Die Gruppe dort? Nein, die sind fast jeden Sonntag im Dorf anzutreffen und betrinken sich. Das ist jeden Sonntag so..." Ein ganz normaler Sonntag eben...

 

 

 

27. Februar 2012

Jedem seine Spezialität

 

Egal wo man hin geht, überall gibt es was Besonderes. Die Zürcher sind auf ihre "Luxenburgerli" stolz, die Münchner auf ihr "Bier" – auf ihre Fussballer können sie nun ja nicht mehr stolz sein – die Zuger auf ihre "Kirschtorte" und die St.Galler auf ihre "Brodwuurscht". Jeder hat seine eigene Spezialität. In Basel ist das anders. Die Basler haben drei Spezialitäten: Die drei schönsten Tage! Das gibt es sonst an keinem Ort der Welt. 72 Stunden Ausnahmezustand. Auch kulinarisch! Obschon ich diese Zeilen vor dem aktuellen Morgestraich schreibe, weiss ich jetzt schon, was lukullisch auf mich zukommen wird. Irgendwelche Würste vom Grill, Paniertes Schnitzel mit Pommes oder dann eine Mehlsuppe mit dazugehöriger Zwiebelwähe. Das Ganze zu überhöhten Preisen mit niedrigem Service. Hingeknallt auf den Tisch und wenn man ganz viel Glück hat, ohne billiges Papiertischset. Wer also den Begriff der drei schönsten Tage ins Spiel gebracht hat, hatte den Rucksack dabei und sich aus diesem verpflegt. Mein schlimmstes kulinarisches Fasnachtserlebnis fand aber vor zwei Jahren in einem Restaurant statt, welches ich hier nicht namentlich nenne, da ich für dieses Lokal nicht auch noch Werbung betreiben will. Meine liebste Begleitung und ich, betraten dieses Lokal so gegen 21 Uhr. Es hatte nur wenig Gäste, aber umso mehr Mitarbeiterinnen. Diese standen aber nur hinter dem Buffet und schwatzten. Endlich bequemte sich eine Dame an unseren Tisch zu kommen. Wir dachten schon, sie würde uns nun fragen was wir bestellen möchten, denn reichlich Zeit die Karte auswendig zu lernen hatten wir ja bereits. Aber stattdessen begann sie uns zu erzählen, wie lange sie heute noch arbeiten müsse und wie sau wenig sie dabei verdiene. Sie klagte so lange und intensiv, dass sie vermutlich gar nicht bemerkte, dass wir bereits wieder aufgestanden sind, um zu flüchten. Darauf hin spazierten wir gemütlich nach Hause und meine allerliebste Begleitung machte mir daheim ihre Spezialität, die auch immer gelingt: Pizza-Kurier! Hmmmmm....