6. August 2012

Bewegen soll gut sein?

 

Ich bin zu schwer. OK! Das sagt mir auch gerne jeder Arzt dem ich gegenüber sitze. Egal weshalb ich beim Arzt bin. Hab ich Husten, dann ist das, weil ich zu schwer bin. Habe ich Halsweh, kann dies nur sein, da ich zu schwer bin. Habe ich Verspannungen im Nacken, kommt das hundertprozentig davon, dass ich zu wenig Bewegung habe, was die Ursache davon ist, dass ich zu schwer bin! Diese Pauschalausrede der Ärzte, wenn sie nicht mehr weiter wissen, jagt mir meinen Blutdruck hoch. Aber das kommt sicher davon, weil ich zu schwer bin.... Nun habe ich mir vorgenommen, meinem Arzt bei der nächsten Konsultation, seine Argumente zu nehmen und abzuspecken. Das heisst im Klartext: Treppe statt Lift, Velo statt Tram, per pedes statt Velo und Weizen statt Bier. Ich kann Ihnen sagen, es wird nicht leicht meinem Arzt das nächste Mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Würden doch nur beim Abnehmen die Kilos so purzeln wie die gute Laune oder die Schweissperlen! Ich stellte fest, dass wenn ich Hunger bekomme, aber nichts essen will, ein Spaziergang durch die Stadt Wunder wirkt. Das ist Bewegung und Ablenkung in Einem. Abgelenkt war ich dann auch – vom Fasten. Mir ist das noch nie so aufgefallen. Praktisch alle Leute, die einem auf der Strasse entgegen kommen, sind am Essen. Ein Kebab, ein Glace, ein Gipfeli oder ein Sandwich. Verpflegen sich die Menschen heute tatsächlich auf den Strassen? Ich ging extra auf die Strasse, um mich nicht in einem Restaurant hinter einem Cordon-bleu zu finden. Und nun kommen mir die leckersten Speisen entgegengeflogen, wie in einem meiner Heisshunger-Träume, nur dass ich am Schluss nicht schweissgebadet aus dem Traum aufschrecke. In solchen Situationen steigere ich die Kadenz. Das sagte schon immer Leutnant Schmutz mit seinem Ostschweizerdialekt in der Rekrutenschule zu mir: "Salvi! Kchadenz eröhe!" Vielleicht habe ich es ihm zu verdanken, dass ich heute in der Lage bin, wie ein gestresster Pendler, dem noch 10 Sekunden bleiben ehe sein Zug den Bahnhof verlässt den schlingenden Schlendern zu entkommen. Tatsächlich habe ich so in den letzten Wochen 10 Kilo abgenommen. Bewegung tut eben doch gut.

 

 

13. August 2012

Bitte nicht abräumen

 

Kennen Sie diese Selbstbedienungsrestaurants auch? Ich will hier keine Namen nennen, aber sie zeichnen sich darin aus, dass man am Schluss einfach aufsteht und geht! Ohne die Überreste seiner Fressorgie vom Tisch zu räumen. Ich muss schon sagen, das bereitet mir grosse Mühe. Bin ich doch, wie Millionen anderer Schweizer dazu erzogen worden, das Tablett nach getaner Kalorienzufuhr in die, seit Jahrzehnten immer gleich aussehenden Abräumwagen zu schieben. Meistens sind da die guten Plätze, also auf Augenhöhe bis Hüfthöhe schon weg und man muss sein Tablett in die unterste Etage reinbalancieren. Nun gibt es aber Restaurants da bleibt einem diese zirkusreife Einlage erspart und man kann alles stehen und liegen lassen. Dann gibt es aber auch Restaurants, wo noch immer erwartet wird, dass man seinen Müll selber wegräumt. Super! Und wie bitte schön weiss ich, in welcher Art Restaurant ich gerade sitze? Da bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, was die anderen Gäste so machen. Das was die Anderen machen würde ich dann auch tun, dann falle ich am wenigsten auf. Aha, da geht einer. Der lässt sein Tablett stehen! OK. Ich will auch gerade tatenlos abhauen, da sehe ich wie ein anderer sein Tablett in den Geschirrwagen stellt. Nun stecke ich wieder in einem Dilemma. Ich könnte ja einen Mitarbeiter fragen, was hier so vom Gast ausser Zahlen und Essen sonst noch erwartet wird. Aber weit und breit kein Personal. Das ist mal wieder total schlecht aufgeteilt, dachte ich mir. In Kleiderläden werde ich dauernd von Mitarbeitern belagert "Kann ich ihnen helfen?", dabei will ich dort meine Ruhe. Und sollte ich mal Hilfe brauchen gibt es ja die SPITEX, oder? Aber wenn ich mal die Auskunft eines Mitarbeiters möchte, ist keiner da! Ich sitze nun also schon über 20 Minuten vor meinem leeren Teller. Ich entscheide mich, meine gute Erziehung nicht zu vergessen und packe das Tablett mit einer Hand. In der Anderen habe ich eine Tasche, die auch transportiert werden will. Kurz vor dem Geschirrwagen passiert es dann: Das Tablett gleitet mir aus der Hand und mit grossem Getöse scheppert der Teller, das Glas und das Holztablett zu Boden. Da waren sie dann plötzlich, die Mitarbeiter. Einer schaut mich entnervt an und sagt mit vorwurfsvollem Ton: "Bei uns lässt man das Tablett auf dem Tisch stehen, dass solcher Scheiss nicht passiert!" Mein Angebot, die Sauerei zu putzen lehnte er in der gleichen Grundstimmung ab und sagte irgendwas unter dem Motto ich soll es bleibenlassen, sonst geht noch mehr zu Bruch. Peinlich berührt verliess ich das Restaurant. Ein paar Wochen später sass ich wieder dort. Eine ältere Dame neben mir war gerade fertig und balancierte auf ihren dünnen und wackligen Beinchen noch wackliger ihr Tablett zum Geschirrwagen. Da krachte es plötzlich und ihr fiel das Tablett zu Boden. Ein Mann mir schräg gegenüber beobachtet die Szene auch und sagte zu mir: "Diese Alten! Haben noch nicht begriffen, dass man in den heutigen Restaurants das Tablett stehen lassen kann!" Ich beugte mich etwas tiefer über meinen Salatteller und bestätigte mit unsicherer Stimme: "Jaja, diese Alten...."

 

 

20. August 2012

Flip-Flop

 

Im Sommer sieht man ja so einiges an Schuhwerk durch die Stadt schlurfen. Kniehohe Lederstiefel, gefolgt von Birkenstocksandalen, Turnschuhen und die farbigen Clog-Sandalen aus irgendeiner Gummimasse. Und dann wären da noch diese Flip-Flop's! Die freischwebende Schuhsole, bei der ein Zehensteg verhindert, den Latschen beim ersten Schritt wieder zu verlieren. Ein gescheiter Zeitgenosse erklärte mir mal, dass Flip-Flop's bereits vor über tausenden Jahren getragen wurden. Es sollen somit die ältesten Schuhe sein, die es gibt. Für mich sind es die nervigsten Schuhe die es gibt. Ich hasse das Geräusch, das sie machen. Sie heissen wie sie klingen: Flip-Flop. Durch die unzureichende Befestigung am Fuss des Trägers, verleiht dieser Strandlatschen dem Flip-Flopper einen ganz eigenen Gang. Er schlurft darin, er macht keine eigentlichen Schritte. Ist ja auch nicht möglich, denn sonst würde er die, an seinem Fuss baumelnde Plastiksole, sofort verlieren. Der Träger läuft also so, wie ein Fussballer, der nach einem enorm anstrengenden Match – den er noch hoch verloren hat – das Spielfeld verlässt. Eine Mischung aus Coolness, Erschöpfung, Depression und Lässigkeit. Wenn dann jeweils nach dem Schlurfen, die Sohle an die Verse des Schlurfers schnellt und das typische Flip-Flop-Geräusch zu hören ist, dann könnte ich die Wände hoch gehen. Warum? Dafür muss ich einige Jahre zurück spulen. Anfang der 80-er Jahre, waren diese Zehentreter auch schon topmodern. Damals dachte ich, ich müsse auch solche Dinger tragen. Also kaufte ich mir ein Paar und ging damit in die Stadt. Beim Aussteigen aus dem Tram verlor ich dann aber den linken Sohlen. Leider war die Türe des Trams schneller zu als ich reagieren konnte und mein linker Schlappen fuhr alleine weiter Richtung Riehen Grenze. Da stand ich nun. Am rechten Fuss eine Freiluftsandale und am linken Fuss FKK. Da machte es beim Gehen nicht mehr "FLIP" es machte nur noch "FLOP". Und meine Ambitionen, dem allgemeinen Schuhtrend zu folgen, endeten damals auch in einem Flop! Und wenn ich heute das Geräusch der Zehensandalen höre, dann sehe ich vor meinem geistigen Auge meine linke Sandale, wie sie mutterseelenalleine im Tram davon rauscht – und das erst noch ohne Billett!

 

 

27. August 2012

Fussel-Alarm!

 

Meine schwarzen Socken fusseln! Kennen Sie das auch? Ich finde das total ärgerlich und es nervt mich total. Nun könnten Sie zu Recht sagen, hat der denn keine anderen Probleme? Doch habe ich! Auch die dunkelblauen Socken fusseln. Eigentlich fusseln alle meine Socken. Egal was für welche. Lange Kniesocken, kurze Sportsocken, die ganz feinen Socken. Alles was nach Socke aussieht und nach Socke riecht fusselt. Ich gehe sogar extra seit Wochen in die Fusspflege, da ich annahm, meine hart gewordene Haut an den Füssen, würde die Socken abreiben und so die Fussel erzeugen. Nun sind meine Füsse aalglatt wie ein Kellner in einem 8-Sterne-Restaurant und trotzdem fusseln meine Fussbezüge. Und das sieht dann auch noch total schmuddelig aus, obwohl sie gar nicht schmuddelig sind. Ziehe ich zum Beispiel im Fitness-Studio die Socken aus, dann liegen auf einmal überall kleine schwarze Stoffbällchen rum. Oder wenn sie nicht rumliegen, dann kleben an meinen Füssen. Die sehen dann so aus, als ob ein Obdachloser nach einem Jahr wieder mal die Schuhe ausgezogen hätte. Bei meiner Frau fusseln die Socken nicht! Keiner weiss warum! Ich zog mal ein Paar von ihren an. Sie hat Schuhgrösse 40 und ich 46. Trotzdem würgte ich mich in den Baumwolltunnel. Das Ergebnis am Abend war dann leider nicht so befriedigend. Die Socke hat zwar nicht gefusselt – konnte sie gar nicht – denn sie war komplett kaputt; zerfetzt. Nach langem Hin und Her habe ich nun endlich eine, für mich passable Lösung gefunden. Schuh-Creme. Ja, sie lesen richtig! Aber nicht etwa auf die Socke geschmiert – nein – Schuh-Creme anstelle der Socke! Das geht ganz einfach. Ich ziehe mit nackten Füssen die Schuhe an. Dann nehme ich die Schuh-Creme und male mir damit eine Socke bis leicht über den Knöchel! Fertig! Das sieht total sauber aus und am Abend muss ich mich nicht fusselig ärgern wegen diesen Fusseln. Das mache ich nun schon ein paar Tage und es funktioniert. OK, es gibt nun ein anderes Problem. Die Schuh-Creme lässt sich praktisch nicht mehr entfernen und durch das tägliche Auftragen habe ich einen Ausschlag bekommen. Nun ziehe ich nirgends mehr meine Schuhe aus, damit niemand meine schwarzen Knöchel und den Ausschlag sieht. Hmmm... das wäre vielleicht vorher mit den Fusseln auch eine Lösung gewesen...