2. April 2012

Zum Scherzen aufgelegt

 

"Du hast den Hosenladen offen"! Gestern hörte ich dies sicherlich zehn Mal, dabei hatte ich gar keine Hosen an... Ha-Ha-Ha! Sie merken es schon, ich bin heute zum Scherzen aufgelegt. Am 1. April allerdings ist mir selten zum Lachen zu Mute. Ich weiss an diesem Tag nie, was und wem ich glauben soll und sobald ich mit jemandem zusammentreffe, analysiere ich, ob das Gesagte auch tatsächlich der Wahrheit entspricht. Stellen Sie sich mal vor wie gemein, Ihr Bruder ruft Sie am 1. April an und teilt Ihnen mit, er habe das bei Ihnen ausgeliehene Auto zu Schrott gefahren? Und wenn es dann auch noch stimmt! Am Besten man bleibt an diesem Tag zu Hause im Bett, hört kein Radio, liest keine Zeitung und stellt das Telefon auf stumm. Das ist die beste Methode, diesen Tag schock-und scherzfrei zu überstehen. Warum man ausgerechnet am 1. April seine Mitmenschen veräppelt, dazu gibt es keine genauen Angaben. Im Internet werden eine Vielzahl von möglichen Gründen aufgeführt, aber da ich am 1. April dies recherchierte, bin ich mir nun nicht so sicher, was alles davon wirklich der Wahrheit entspricht. Ich halte es mit dem 1. April ganz anders. Am 1. April mache ich regelmässig keine Scherze! Ohne Scherz! Ich mache da einfach nicht mit. Ich bin eh kein Wellenschwimmer. Sollen doch alle anderen sich jedes halbe Jahr ein neues iPad kaufen. Lässt mich kalt. Auch bei der Panini-Klebebildchen Hysterie entfährt mir nur ein müdes Augenzucken. Und am1. April mache ich genau das nicht, was alle anderen tun. Dafür lch laufe dann am 2. April zur Höchstform auf. Ist auch viel lustiger, 24 Stunden nach dem kalendarisch vorgeschriebenen Scherz-Tag, die Mitmenschen hoch zu nehmen. Passen Sie also auf, wenn Sie mir heute begegnen. Ich lasse keine Gelegenheit aus, Sie zu veräppeln. Oder ist das auch nur ein Scherz...?

 

 

 

9. April 2012

Ja wo ist denn jetzt der Türk?

 

Sie finden einige Male im Jahr statt. An runden Geburtstagen, bei Taufen, Firmungen, Kommunionen, Hochzeiten, Weihnachten und auch an Ostern. Man trifft sich mit der Familie. Das sind nicht für alle die schönsten Feste. Ich habe diesbezüglich Glück gehabt, aber da war ich schon an ganz anderen Feiern. Wenn der Vater seine Tochter mit den Worten: "Oha, zugenommen?" begrüsst, dann weiss man wie sich der weitere Verlauf des Tages gestalten wird. Da gibt es Familienfeiern, da wird die fast bettlägerige Urgossmutter aus dem Heim ran gekarrt. Sie kann kaum mehr sitzen, schläft dauernd ein und wäre viel lieber im Heim geblieben. Aber alle meinen: "Es ist toll, dass wir nochmals mit Ur-Oma feiern können!" Bitte?! Wie soll die runzlige Dame das denn verstehen? Das war nun das letzte Treffen, unter dem Motto: Beim nächsten Mal bis du eh unter der Erde? Und dann die Kinder! Zuerst werden sie jedem rumgereicht, so dass jeder seinen Pflicht-Schmutz auf die Backe drücken kann. Bakterienalarm! Da sind Türfallen in öffentlichen Klos direkt Wellnessoasen dagegen. Die Kinder wollen das ja meist auch gar nicht und wenn der erste Balg zu Plärren anfängt, machen die Gäste am Tisch schon grosse Augen und jeder denkt sich seine Sache: "Die hat ihre Kinder auch nicht im Griff". OK, die Kinder sind meiner Meinung nach aber an solchen Familienfesten ganz klar die grösste Bereicherung. Sie sind ehrlich und kennen noch keine Anstandsfloskeln. Sie bestätigen der Tante, welche die tollen Begrüssungsworte ihres Vaters eben vergessen hatte, dass sie tatsächlich zugenommen hat und wenn ihnen das Essen nicht schmeckt, dann gehen ihnen die Speisen wieder über die Lippen zurück auf den Teller und nicht Sätze wie: "Hm, das ist wirklich gut gekocht. Was ist das eigentlich?" Bei meinem letzten Familienfest fragte die eben in die Schule gekommene Chiara: "Du und wann kommt eigentlich der Türk?" Alle blickten auf Ursi, die noch Singel ist. Diese zuckte mit den Schultern und wurde rot im Gesicht. Wir wissen nun nicht, hat Ursi nun tatsächlich einen türkischen Freund, den sie uns noch nicht vorgestellt hat: Skandal. Oder meinte Chiara den Familien-Türk? Aber, aber! Das hat sie dann von meinem Bruder, ihrem Vater aufgeschnappt, dabei sind Familienfeste doch immer so was Tolles!

 

 

 

16. April 2012

Alles lustig, oder was?

 

Kennen Sie solche Leute auch? Ich meine die, welche alles was sie sagen mit einem kleinen Lacher beenden? Und dabei spielt es nicht mal eine Rolle, was sie sagten. Der Inhalt ihrer Mitteilung ist völlig egal! Sie beenden ihren Satz immer mit einem Lachen oder gar Glucksen. Ich kenne solche Menschen. Ich sage Ihnen, ich hoffe immer, wenn ich in die Stadt gehe nicht auf sie zu treffen. Nicht weil ich sie nicht mögen würde, aber ich konzentriere mich dann immer auf ihr Lachen und höre dann regelmässig gar nicht mehr zu was sie sagen. Einer schaffte es auf sage und schreibe 32 Lacher! Und dabei sprachen wir gar nicht so lange zusammen. Unangenehm wird es dann, wenn einem solche Menschen was Tragisches mitteilen. Die Lacher machen dann die schlimmste Mitteilung irgendwie leicht und heiter. Schon oft dachte ich mir, dass solche Leute mit diesem Lach-Tick einige Berufe nie ausüben könnten. Pfarrer zum Beispiel. Ich stelle mir vor, dass ein Pfarrer, der jeder seiner Sätze mit einem Lacher quittieren muss – vor allem wenn er Beerdigungen durchzuführen hat- bald mal auch seinen Job quittiert. Im Radio hört man oft solche Zwangs-Grinser. Nicht nur bei den Moderatoren, bei denen man das Gefühl hat sie hätten eben im Lotto 100 Millionen gewonnen, einen Goldschatz gefunden, Drillinge auf die Welt gestellt und eben eine Lohnerhöhung erhalten, wenn sie den nächsten Song ankündigen. Oft telefonieren diese mit anderen Menschen und da trifft man gerne mal auf diese Dauer-Grinser. "Guten Tag, habe ich Frau Müller am Draht?" Und was sagt die am anderen Ende der Leitung? "Ja da ist Müller – Ha-Ha!" Ist das etwa lustig? Das versuche ich mal am nächsten Auftritt. Ich stehe auf der Bühne und sage: "Ja da ist Müller". Und dann erwarte ich vom Publikum ein "Ha-Ha!" Das geht bestimmt in die Hose. Ach ja, apropos Hose. Versuchen sie nie, aber wirklich nie einem Permanent-Grinser auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe das unlängst versucht. Er erzählte mir: "Meine Frau die Rosmarie hat sich gestern beide Beine gebrochen – Ha – Ha!" Ich erwiderte dann ganz locker und im gleichen Stile. "Ohje, und gleich beide Beine – Ha – Ha!" Und wissen sie was der dann mit versteinerter Mine zu mir sagte: "Sag mal, findest Du das etwa lustig?" Und nach einer kleinen Pause fügte er an: "Ha-Ha!"

 

 

 

23. April 2012

Fast wie Weihnachten!

 

Mein Vater behauptete früher immer, dass man einem Chinesenkind, das zu früh auf die Welt gekommen ist Früh-Ling sagt.  Einige Jahre später stellte ich dann fest, dass der Frühling rein gar nichts mit kleinen Kindern zu tun hat, oder wenn, dann mit den Gedanken daran, sie zu produzieren. Aber das ist ein anderes Thema. In diese Richtung wollte ich gar nicht abschweifen. Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass der Frühling zwei Gesichter hat. So wie ein Bank-Manager, oder der Präsident eines Eltern-Komitee. Aber ich schweife schon wieder ab. Eigentlich wollte ich ja über den Frühling schreiben. Die Zeit, in der man langsam daran denken kann die Winterjacke in den Keller zu hängen und die kurzen Hosen im Kleiderschrank wieder auf Augenhöhe zu verstauen. Der Frühling bietet ja so viele tolle Sachen wie; Vogelgezwitscher, Blütenpracht und FRÜHLINGSPUTZ! Die andere, dunkle Seite dieser Jahreszeit. Fensterputzen, Lammelenstoren reinigen und die Kommode mal ein paar Zentimeter von der Wand weg rücken. Und was sehen da meine von den Pollen geschwollenen Augen? 20 Franken? Hinter der Kommode, wer weiss wie lange schon? Das ist ja mal was Feines. Das ist ja fast wie Weihnachten, einfach ohne Geschenkpapier und Familienfest. Ich kraxle hinter  die Kommode und fische die wohl verdiente Belohnung fürs gründliche Reinemachen hervor. 20 Franken! Ich stecke den Schein in die Trainingshose und putze weiter. Und nun noch gründlicher. Und tatsächlich finde ich praktisch hinter den unzugänglichsten Möbelstücken Geld. Mal eine 10-er Note oder mal ein Fünflieber. So gründlich und intensiv habe ich noch nie geputzt. OK; Putzen gehört nun wirklich nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen, aber wenn man dabei über 100 Franken "abstaubt" könnten wir noch Freunde werden, ich und der Staubsauger. Meiner Frau habe ich von dem gefundenen Geld nichts erzählt. Sie muss nicht alles wissen und meinen hart verdienten Lohn wollte ich für mich alleine geniessen. Als sie nach Hause kam staunte sie nicht schlecht. Die Wohnung funkelte! Anerkennend nickte sie und sagte mit gönnerhaftem Lächeln: "Ich sehe Du hast das Geld gefunden!" So gemein! Ab sofort finde ich Weihnachten wieder schöner...

 

 

 

30. April 2012

Fussball hören

 

Es gibt viele Arten, wie man einen Fussball-Match geniessen kann. Es gibt die Sofa-und-Chips Variante, die ich eigentlich bisher immer bevorzugte. Man könnte sich auch mit Freunden in einem Restaurant treffen und dort das Spiel am TV verfolgen. Oder man schaut sich den Match live vor Ort im Stadion an, dies ist vor allem dann möglich, wenn das Spiel in der näheren Umgebung statt findet. Ich habe aber nun eine weitaus angenehmere Art entdeckt, wie ich zukünftig Fussballspiele erleben will. Ich habe zwei Nachbarn. Der Eine schräg über mir und der andere wohnt unter mir. Immer wenn ein wichtiges Spiel im Fernsehen ausgestrahlt wird weiss ich, dass beide zu Hause bleiben und sich den Match nicht entgehen lassen. Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass der schräg über mir, offensichtlich immer für die jeweils andere Mannschaft Partei ergreift, als der unter mir. Und da beide, so scheint's, Fussball-Fans sind und dies auch lautstark bekunden, muss ich den Fernseher nicht mehr einschalten! Wenn ein Schuss das Tor knapp verfehlte, dann höre ich das "Ohhhhhh...." von schräg oben und das "Uiiiiii...." von unten. Auch wenn ein Tor fällt ist klar für wen, dann schreit der eine Nachbar "Jaaaaaaa!" , als wäre er Mitglied des Komitee "Heb Sorg zum Glaibasel" und hätte eben erfahren, dass das Basel Tattoo in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Der andere Nachbar bleibt dann jeweils still. So kann ich mich gemütlich mit einem Buch ins Bett legen. Ich zähle dann die "Jaaaaaaa!"'s der jeweiligen Mannschaften und weiss zum Schluss, dass das Team des Nachbar schräg oben mit 3 zu 2 gegen den Nachbarn unten gewonnen hat. Nun weiss ich, dass der Nachbar unter mir am 19. Mai gegen den Nachbarn schräg über mir im Champions League-Finale steht. Vorgestern allerdings geschah etwas, was ich mir nicht recht erklären kann. Offenbar lief wieder ein Match und ich vernahm schon bald die "Ohhhh"'s und "Uiiiii"'s von schräg oben und unten. Aber plötzlich hörte ich aus beiden Richtungen ein lautes "Jaaaaaaaa!". Nun bin ich verunsichert. Es gibt ja jeweils nur einen Ball pro Spiel, so dass es unmöglich sein kann, dass beide Mannschaften zeitgleich ein Tor erzielt haben, oder? Aber vielleicht hat sich ein Nachbar kurzfristig entschlossen, die Seiten zu wechseln und fiebert nun auch mit der Gegenmannschaft mit? Ich weiss es nicht, aber die "Jaaaaaaa"'s waren nun derart laut, dass ich mich nicht aufs Buch konzentrieren konnte . In der Zukunft schaue ich vorher ins TV-Programm. Wenn kein Fussball kommt, gehe ich ins Bett lesen!