3. Oktober 2011

Alles erlaubt?

 

Ich besitze ein Jahres U-Abo der BVB! Ich fahre regelmässig Tram! Ich hasse es!!!

Auf meinem Weg von A nach B benutze ich die grünen, fahrenden Metallcontainer. Als Tramgast darf ich mich zur aussterbenden Spezies der „einfach dasitzen und mitfahren“-Gattung zählen.  Sexualprobleme lauthals ins Handy brüllen, oder mit jemandem über den Juckreiz meines Fusspilzes zu diskutieren ist nicht mein Stil.  Auch käme es mir nie in den Sinn, im Tram meine Hauptmahlzeit einzunehmen. Wenn diese dann noch nach Zwiebeln und Knoblauch stinkt, würde ich sie zu Hause auch nur auf dem Balkon verspeisen – aus Respekt vor meinem Umfeld. Unterhaltungen im Tram führe ich nur im Flüsterton. Nicht weil ich nicht möchte, dass mir jemand zuhört, sondern weil ich meine Konversation anderen nicht aufdrängen will.  Musik mit Kopfhörern zu hören ist heute auch nicht mehr in Mode, sondern man betritt dazu ein Tram und lässt alle am dröhnenden Hipp-Hopp-Beat teilhaben. Bettler mit Musikinstrumenten (Musiker kann man die ja nicht nennen) verlegen ihre „Bühne“ gerne ins Tram und trällern ihr „Volare“ ins vollbesetzte Verkehrsmittel. Bei dem Lärm kann man die Hipp-Hopp-Beats, den Ehestreit und die Handy-Gespräche nicht mehr hören. Obwohl ich bettelnde Trammusiker hasse, war ich ihnen schon oft dankbar für ein paar Minuten Quassel-Ruhe. Die Menschen in Basel fühlen sich offenbar wohl in den grünen und gelben Schepper-Zügen. Man fühlt sich wohl im Tram. Ich frage mich oft, was diese Menschen eigentlich nach der Tramfahrt zu Hause tun? Sie haben ja schon gequasselt, gegessen, geschlafen, gestritten und all das im Tram gemacht, was „normale“ Menschen zu Hause tun. Vermutlich sitzen sie auf dem Sofa, starren ins Nichts und überlegen sich, was sie morgen im Tram alles anstellen wollen!

 

 

 

10. Oktober 2011

Motivation gesucht!

 

Nach dem ich nun weiss, dass die Schweizer Fussballer an der EURO nicht dabei sein werden, suche ich nach einer Motivation, den Match von morgen am TV überhaupt anzuschauen. Die Spannung darüber, wie hoch das Möchtegern-Team verliert, motiviert mich jetzt natürlich nicht wirklich. Es gibt vermutlich nichts langweiligeres, wie Fussballmatches, deren Ausgang schon vor Beginn des Spiels bekannt ist. Nicht, dass man das Resultat schon wüsste, aber die elf Rasenstolperer werden in jedem Falle als Verlierer am Dienstag den Joggelirasen verlassen. Was also könnte mich motivieren, dieses Trauerspiel zu sehen? Als ich dann heute noch von meiner Frau erfuhr, dass der Spieler von Montenegro, der am Freitag gegen England den Ausgleich erzielt hatte und somit den Schweizern die Luft aus dem Ball liess, eigentlich ein Schweizer ist, verflog jegliche Restmotivation. Ein Schweizer Fussballer ist schuld daran, dass die Schweizer Fussballer flach heraus gekommen sind und die EURO zu Hause an den Flachbildschirmen verfolgen dürfen! Nein! Am Dienstag will ich nichts im TV sehen, was mich an die Zirkusreife Clowngruppe des Zirkusdomteurs Hitzfeld erinnert. Mal schauen was da sonst noch so im Fernsehen kommt: „Kassensturz“ auf SF1? Nein, einen Kassensturz sollte der Schweizer Fussballverband schon längst mal gemacht haben, was das Kader der Nationalmannschaft betrifft. Was kommt den sonst noch im TV? „Euromillionen“ auf ORF2? Ja, die verpasst nun der Schweizer Fussball nach diesem Debakel. Kommt sonst nichts, was mich nicht an die himmeltraurigen Zuvielverdiener in Kniestrümpfen erinnert? „Ich suche Dich“ auf SAT1? Ja, das trifft den Fussball auf die Naht: Ich suche Dich auch: Motivation. Wo bist Du?

 

 

 

17. Oktober 2011

Wo sind sie denn alle hin?

 

Samstagabend 21 Uhr Marktplatz. Was ist denn da los? Ausser die gelben und grünen Tram’s, die ab und zu am Marktplatz halten, läuft hier nichts! Ich drehe mich auf alle Seiten um, doch auch hinter mir sind keine Menschenmassen. Der Marktplatz wirkt, so wie am Sonntagabend vor dem Morgenstraich. Alle schon zu Hause und im warmen Bett, da man morgen frühzeitig... aber das kennen Sie ja! Aber es ist nicht Sonntag vor dem Morgestraich, es ist ja nicht mal Sonntag, sondern Samstag zur besten Zeit. Läuft vielleicht heute Abend was Besonderes im Fernsehen? Nein, blöd. Es läuft ja nie was Besonderes in der Flimmerkiste. Und deswegen würde heutzutage niemand mehr zu Hause bleiben. Aber sagen Sie mir bitte, wo sind all die Menschen hin? Wo sind sie, wenn nicht in der tollsten Stadt der Schweiz. Da wo doch so viel läuft, im Schmelztiegel der Kultur. Sollten womöglich alle Menschen, die sich nicht hier am Marktplatz befinden in den Theatern, Kinos oder Clubs sein? Kann ich mir auch fast nicht vorstellen. Gerade in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten (zusammengefasstes Zitat aus zahlreichen Zeitungsartikel) sollten die Menschen doch in der Stadt sein und ihr Geld ausgeben, so dass es der Wirtschaft (nicht den Gastronomen alleine) wieder besser geht. Aber weit und breit keine Menschenseele, die auf dem Weg wäre, ihr Geld unter die Leute zu bringen. So alleine und verlassen fühlte ich mich das letzte Mal an einem Montag beim Einkaufen im „Stücki“. Mein Tram kommt. Ich steige ein und fahre aus der Stadt. Vermutlich fragte sich die Person, die nach mir den Marktplatz betrat das Selbe: Wo sind denn alle hin? Also ich, ich bin zu Hause.

 

 

 

24. Oktober 2011

Vom Möchten, aber dann doch nicht wollen

 

Immer wenn das Telefon klingelt freue ich mich darüber! Einen unerwarteten Anruf entgegen zu nehmen ist für mich fast so, wie das Geschenkeauspacken an Weihnachten. Voll von Überraschungen. Wer kann das wohl sein, der mich da anruft und mit mir reden will? Vielleicht ein Mitarbeiter von Swisslos, der mir mitteilen wird, dass ich die 29 Millionen im Euro-Millions Spiel gewonnen habe? Oder vielleicht ein Anwalt aus Amerika, der mir das Testament meines unbekannten Grossonkels eröffnen möchte, der mir ein Hotel in Las Vegas vermacht hat? Vielleicht könnte es aber auch ein Telefonverkäufer einer Krankenkasse sein, der mich als Neukunde gewinnen will? In letzter Zeit ist es immer das Letztere. Und in diesem Zusammenhang ist die Wortwahl absichtlich, denn ich empfinde solche Anrufe auch als das Letzte, was die sonst ach so seriösen Krankenkassen zu bieten haben. Sonst nehme ich ja normalerwiese keine unterdrückten Anrufe entgegen. Firmen die nicht wollen, dass ich ihre Telefonnummer sehe, von solchen Unternehmen will ich auch nichts wollen. Aber eben: es könnte ja der Anwalt aus Amerika sein... Und immer laufen die offensiven Verkaufstelefone gleich ab. „Guten Tag, wollen Sie Geld sparen?“ Wer kann in den heutigen Zeiten diese Antwort mit NEIN beantworten – blöde Frage! Dann auch gleich der Hinweis, dass man die Krankenkasse wechseln sollte und zufällig weiss der aggressive Telefonverkäufer – oft in perfektem Hochdeutsch – bei welcher Krankenkasse meine Haushaltskasse wieder gesunden wird. „Möchten Sie nicht zu uns wechseln, wir hätten Sie gerne als Kunden!“ Was für eine Bauchpinselei! Ich gehe oft in der Stadt einkaufen und noch selten gaben mir die Verkäuferinnen oder Verkäufer in den Läden das Gefühl, mich als Kunden zu wollen. Da kann ich den, auf Verkaufsabschluss geschulten, Telefonverkäufer ja nicht enttäuschen. Ich lasse ihn noch zwei bis drei Minuten die enormen Vorteile des Krankenkassenwechsels runter leiern bis ich dann meine finale Frage stelle: „Nehmen Sie auch Diabetiker“? Meistens scheint es danach so, als sei die Telefonleitung abrupt unterbrochen worden. Und dann, nach einigen Sekunden höre ich immer die selbe Antwort: „In dem Falle ist das wohl nichts für Sie!“ Achja? Geld sparen ist nichts für Diabetiker? Ihre Krankenkasse zieht übersäuerte Menschen den überzuckerten vor? Ich will aber ihr Kunde werden. „Ach wissen Sie, das bringt nichts, das kann ich ihnen jetzt schon sagen, dass sie nicht als Kunde aufgenommen werden!“ Komisch. Vorhin versicherten er mir, er möchte mich als Kunden, um mir dann ein paar Minuten später zu sagen mich nicht mehr zu wollen! In den meisten Fällen ist das Telefongespräch an dieser Stelle beendet. Und jedes Mal schwöre ich mir, dass ich den nächsten Anruf erst gar nicht annehme. Und wenn es dann klingelt könnte es ja tatsächlich mal ein Mitarbeiter von Swisslos sein. Aber auch dies scheint mir unwahrscheinlich, denn dazu müsste ich mal mit Lottospielen beginnen.

 

 

 

31. Oktober 2011

Herbstmesse-Erinnerungen

 

Basel ist eine Messe-Stadt. Viele Messen finden hier statt. Aber eine Messe kann man mit keinen anderen vergleichen. Die Herbstmesse! Mit was für Kindheitserinnerungen verbinden Sie diese Orgie an Klängen, Farben, Gerüchen und Esswaren? Für mich gehörte der Besuch der Herbstmesse schon immer zum Muss. Als Kind wäre es mir egal gewesen, wenn Weihnachten abgesagt worden wäre. Ebenso hätte es mich kein bisschen berührt, wenn damals der Osterhase wegen eines Burn-out ausgefallen wäre um sich wie „Gigi“ auf Ibiza zu erholen. Es hätte mich sogar kalt gelassen, wenn man meinen Geburtstag nicht mehr gefeiert hätte. Aber man konnte mich bestrafen, in dem man mir den Messebesuch weg genommen hätte! So war ich dann auch meist schon nach den Sommerferien besonders lieb, gab mir in der Schule plötzlich viel Mühe und bot mich freiwillig an, die unbeliebtesten Hausarbeiten bis an mein Lebensende zu übernehmen. So sicherte ich mir einen garantierten Messebummel mit Extra-Mess-Batzen! Ich wusste schon immer, was mein Publikum von mir wollte.... Auf der Messe interessierte ich mich dann natürlich nicht für die Fahrgeschäfte. Schon beim Anblick der Achterbahn fühlte ich mich weich wie ein „Beggeschmutz“ und der Gedanke daran, auf ein Karussell (wir nannten es in der Familie immer „Dillibumm“) zu müssen, liess mich schwindelig werden, so als sei ich eine gebrannte Mandel in der Kupferpfanne. Die Herbstmesse ist für mich „Mässmogge“ und „Maagebrot“. „Brodwurscht“ und „Heissi Marroni“. Es gibt für mich nicht Schöneres, als an der Herbstmesse durch die Stadt zu flanieren und anderen dabei zuzusehen, wie sie ihr Geld in Schwindelmaschinen investieren. Ich investiere in Leckereien! Schon seit ich noch klein war. Und wie alles im Leben gibt es auch hier zwei Seiten. Das Investieren in Süssigkeiten hat „Zinsen“ getragen, die ich heute noch gut „angelegt“ habe – auf meinen Hüften. Nach jeder Herbstmesse kam dann auch meine Mutter mit dem Meterband an,  welches sie immer für ihre Schneiderarbeiten brauchte. Dies Ritual gehörte auch schon zur Herbstmesse, wie das Gekreische weiblicher Jugendlicher. Sie hielt mir das Meterband vors Gesicht, deutete mit dem Zeigefinger und mit strengem Blick auf meinen Bauch und meinte: „Die Herbstmesse ist vorbei. Nun folgt das Herbst-Messen!“