5. Dezember 2011

ZZ-Top aus dem Schwarzwald?

 

Nun irren sie wieder durch die Stadt, die Santichläuse und Schmutzlis. Teils in billigen Kaufhauskostümen mit schlecht sitzenden Bärten und Adidas-Turnschuhen, die unter den Roben hervor schauen. Ich hatte früher immer Angst, vor dem Mann mit dem langen weissen Bart. Einmal kam er zu uns nach Hause, da war ich vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Als der Gastarbeiter aus dem nahen deutschen Raum jedoch die Stube betrat, war sein Besuch bei uns schon zu Ende. Ich habe mir sagen lassen, dass ich, als ich die beiden grimmigen Herren sah, derart losgebrüllt habe, dass er sogleich wieder rechtsumkehrt machen musste. Schon damals hatte ich offenbar eine "Abneigung" gegen Grenzgänger. Einige Jahre später, war ich es dann, der viele Familien als Santichlaus besuchen durfte. Ich machte das immer sehr gerne. Vielleicht darum, weil ich früher nur Panik und Angst empfand, wenn ich schon nur an einen roten Umhang und einen weissen Bart dachte. Allerdings war es mir immer wichtig, dass das Outfit stimmte. Echthaarperücke, echthaar Bart mit geklebtem Schnauzer und geklebten weissen und buschigen Augenbrauen. Ich war auch nie der böse alte Mann, sondern versuchte, dass die Kleinen die vor mir standen eher an einen lieben alten Grossvater dachten, als an zwei alte Männer die böse Kinder in ihrem Sack in den Wald schleppten. Ich machte dies sicherlich über zehn Jahre immer am 6. Dezember oder ein paar Tage zuvor. Allerdings stellte ich fest, dass der Grundrespekt vor Fremden, die zu einem nach Hause kommen und einem zur Besserung ermahnen, von Jahr zu Jahr schwindet. So Besuche ich seit einiger Zeit nur noch ausgewählte Familien, bei denen ich weiss, dass der Santichlaus noch ein Ereignis und keine willkommene Abwechslung ist. Es macht viel mehr Spass als, wenn man vor Kindern sitzt, die einem den Bart vom Gesicht reissen wollen. So erlebte ich mal einen Sechsjährigen, der laut ausrief, als wir die Wohnstube betraten:

"Lueg! ZZ-Top us em Schwarzwald, geil!"

 

 

 

12. Dezember 2011

Wo ist da die Balance?

 

Work-Life-Balance! WORK-LIFE-BALANCE!! Wenn ich das schon höre. Das klingt ja schon anstrengend, dabei hat es den Zweck das Gegenteil herbeizurufen. Früher schaute man, dass man auch mal Zeit für sich und seine Familie hatte. Das war eine Selbstverständlichkeit. Heute braucht man dazu einen Begriff und vermutlich vier Workshops, damit man versteht, warum man ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit braucht. Meine Eltern kannten weder Computer noch Smartphones. Das höchste der Gefühle war ein Telefon; schnurrgebunden. Auch wenn sie gewollt hätten, konnten sie niemals von zu Hause aus die geschäftlichen Mails abrufen oder übers Wochenende PowerPoint-Präsentationen auf dem Laptop erstellen. Wer heute berufstätig ist und am Wochenende nichts tut, gilt schon als unmotiviert und geschäftsschädigend. Darum muss man professionell das Geschäfts- und Privatleben ausbalancieren. Man organisiert die Woche über das Wochenende. Man verplant jede Minute, so dass man um Gotteswillen einen Ausgleich schafft zur vorangegangenen Berufswoche. Ausschlafen geht nicht – da verpasst man was. Früh raus einen Latte im Café gegenüber, dann Einkaufen, danach Wohnung putzen, Mittagessen mit den Schwiegereltern, danach ins Fitnesscenter (die Woche war streng man kam nicht dazu), seinen Göttipflichten noch schnell nach gehen und am Abend dann mal im Ausgang was erleben. Am Sonntag den kleinen Rausch aus dem Körper joggen, dann etwas Kultur in einem Museum, dann noch ins Kino, ins Sushi-Restaurant und dann um 20 Uhr Tatort. Völlig übermüdet ins Bett um am Montag verspannt und total fertig in die neue Woche starten. Das ist Work-Life-Balance. Die Arbeit und das Leben in ein Gleichgewicht bringen. Wenn man wie ich, seit 25 Jahren selbständig ist, dann bringt mich dieser neue Lifestyle Gedanke ins Grübeln. Wie soll ich bitteschön meine Arbeit und mein Leben in ein Gleichgewicht bringen? In meinem Beruf ist mein Leben die Arbeit und die Arbeit mein Leben. Oder ist das schon der perfekte Ausgleich? Wissen Sie was? Ist mir egal...

 

 

 

19. Dezember 2011

Online; rund um die Uhr!

 

Gestern lauschte ich im Tram einem Gespräch zweier betagter Mitfahrerinnen. Die Dame mit lustiger Mütze sagte: "Du, mein Enkel der ist ja Banker...", da unterbricht die Unbemützte: "Oha, ja zum Bäcker muss ich ja auch noch!". Da wurde die gut behütete etwas lauter: "Nein, er arbeitet auf der Bank und der ist immer online. Den ganzen Tag aber auch zu Hause!" Die ohne Hut schüttelte mitleidig den Kopf, als hätte der Enkel ihrer Gesprächspartnerin etwas unanständiges angestellt. Dabei ist das doch völlige Normalität. Wer von Ihnen ist nicht mindestens zehn Stunden am Tag online? Hand hoch! Ich meine mit Onlinesein nicht ständig vor dem Computer hocken, jede Minuten was auf Facebook posten oder täglich tausend Mails schreiben. Ich meine damit; sein Handy überall hin mitnehmen. Auch das bedeutet online zu sein! Erreichbar! Die, welche das Handy auch mal zu Hause lassen oder es am Tag ausschalten, können nun ihre Hand runter nehmen. Die können aber auch gleich den Handyvertrag künden und das Gerät nach Indonesien spenden. Ein Handy ist dafür da, dass man es überall hin mitnimmt; nur so am Rande. Wir alle sind immer online. Das ist heute so üblich und gehört zum Alltag, wie der Stau vor der Galerie Schweizerhalle. Es ist mir schon bewusst, dass Menschen aus Generationen in denen man noch von Hand Briefe geschrieben hat, oder das "Facebook" das wöchentliche Treffen in der Dorfbeiz war, ihre liebe Mühe mit der modernen Welt haben. Natürlich kann man darüber den Kopf schütteln. Aber als die Kopfbedeckte Dame aus dem Tram stieg, bemerkte ich ihren kleinen Hund, den sie an der Hundeleine hinter sich her zog. Da rief ich ihr nach: "Sehen Sie? Auch ihr Fiffi ist online...."

 

 

 

26. Dezember 2011

Es ist vollbracht!

 

Ich habe immer Bammel vor der Weihnacht. Früher jagte mir der 6. Dezember mit dem Santichlaus einen Schreck ein und heute ist es der 24. Dezember. So verändert man sich! Der 24. Dezember macht mich immer nervös. Nicht, wegen der unbefleckten Niederkunft der Maria, die im Eselstall ihrem Mann Josef aus heiterem Himmel und ohne sein Zutun ein Kind gebar. Das wäre heute in dieser Art kaum mehr möglich. Erstens, würde heute jemand in einem Eselstall ein Kind auf die Welt bringen, würde das Veterinäramt augenblicklich unter dem Türrahmen stehen. Sofort würde man eine Busse erhalten, da die unappetitliche Geburt bei den armen Eseln einen psychischen Schaden hinterlassen hat. Zweitens, würde sich niemand wirklich freuen auch kein Zimmermann, wenn seine Frau ein Kind auf die Welt stellt, ohne dass er seine Holde jemals nackt gesehen hätte. Da kämen nicht die „Heilligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar sondern es kämmen die „Drei Eiligen Scheidungsanwälte“ die weder Gold, Weihrauch noch Myrre im Gepäck hätten. So verändern sich eben die Zeiten. Aber zurück zu meinem „Problem“. Das Schenken an Weihnachten ist für mich tatsächlich nicht so einfach. „Was schenke ich meiner Frau?“. Schenke ich ihr einen Gutschein für einen Wellness-Tag in einem Wohlfühlbad, inklusive Verschönerung der Frisur wird sie mich fragen: „Achso? Habe ich das etwa nötig?“. Kaufe ich ihr Schmuck für den Hals oder die beiden Ohrenlappen, höre ich schon ihren Kommentar: „Hat dir mein Schmuck bisjer nicht gefallen?“. Kleider schenken ist auch so eine Sache. Packt sie was aus, was ich ihr zu klein gekauft habe, dann glaubt sie, dass dies eine versteckte Mitteilung von mir sei, dass sie zu dick wäre. Kaufe ich die Hose zu gross höre ich sie schon sagen: „Also so dick bin ich nun auch wieder nicht!“. Wenn ich ihr irgend einen Blödsinn kaufe, dann lässt das darauf schliessen, dass mir nichts besseres eingefallen ist. Sollte sie von mir ein Buch bekommen, könnte sie meinen, ich möchte nicht mit ihr reden. Wenn ich nur daran denke, läuft mir ein Schweissrinnsal den Rücken runter bis in die Unterhose. Achja, Unterschwäsche schenken ist auch gefährlich. Da lässt man ja irgendwie durchblicken, dass man seine Frau öfters darin sehen möchte und das kommt auch nicht immer gut an. Darum habe ich meiner Frau in diesem Jahr NICHTS geschenkt. Sie hat mich glückselig umarmt, mir einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt und mir ins Ohr gehaucht: „Das ist wahre Liebe“. Und als ich sie fragte, was sie mir schenken würde, meinte sie nur: „Das Selbe wie Du mir...“