15. August 2011

Gäll, du haltisch für mich aa!

 

Liebe Erstklässler

Heute beginnt das Ende eurer frohen Jugendzeit! Vorbei ist das unbekümmerte Flohnerleben, bei dem es euch vor allem um Themen ging wie: „Wo sind meine Spielsachen“, oder „Wann gibt’s Znüni?“

Ab heute werdet ihr aufs Erwachsensein getrimmt. Von nun an werdet ihr Tag für Tag, fast rund um die Uhr bewertet, verglichen und geprüft. „Schneller – Höher – Weiter“! Ich meine aber nicht, SCHNELLER zu Hause zu sein als die anderen Kinder. HÖHER zu Spucken als der Tischnachbar, oder den Ball WEITER zu werfen als der Beste der Klasse. Oh nein, liebe Schulranzen-Garde! Seid euch eurer Verantwortung bitte bewusst. Die Nation zählt auf euch, um nicht zu sagen, wir flehen euch an: Seid um Gottes Willen besser wie wir! Ihr geht in die Schule um zu lernen. Bitte tut dies auch. Wir lernten: „Toc-Toc-Toc! Qui est-ce? Ce Monique!“. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die Elsässer sprechen alle Deutsch, da sie ja bei uns arbeiten. Heut zu Tage geht es um wichtigere Fragen, wie darum, wer klopft. Liebe Hoffnungsträger in Hosenträgern; bald klopft die letzte Stunde und sie wird nicht Monique heissen! Lernt wichtigeres. Lernt vernünftig mit Geld um zu gehen. „Schneller-Höher-Weiter“ im Sinne von: Krisen SCHNELLER erkennen! HÖHERE Reserven schaffen, WEITER denken! Bitte behandelt das auch besser, was wir mal „den blauen Planeten“ nannten. „Schneller-Höher-Weiter“! SCHNELLER die Notbremse ziehen, HÖHERE Ziele setzen und WEITER die unverbesserlichen Halunken verfolgen, die auf Kosten der Welt ihre eigene Kasse füllen. Und zum Schluss noch ein kleines Anliegen, liebe bald Erwachsene. Allgemein ist folgendes bekannt: Kinder sind kindisch. Tiere sind tierisch und Pflanzen sind pflanzlich. Nun setzen wir die ganze Hoffnung in euch, dass ihr schafft was uns nicht gelang, dass Menschen endlich menschlich werden.

Die Welt und sogar die Region Basel drückt euch die Daumen und nun; geht spielen und geniesst den Tag!

 

 

 

22. August 2011

Wer ist da krank?

 

Haben Sie das auch gelesen? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat beschlossen, dass Nikotinabhängigkeit eine Krankheit sei. Somit werden den Rauchern die Medikamente von den Krankenkassen bezahlt, die sie zu Nichtrauchern machen sollen. Eine, bislang als Sucht empfundene Angewohnheit wird zur Krankheit! Da bin ich baff! Da muss ich gleich eine rauchen gehen. Raucher sind kranke Menschen? Das verändert natürlich die Sicht auf andere Dinge total. Dann müsste man doch notorische Raser künftig als Geschwindigkeitskranke einstufen. Die Krankenkasse könnte die Kosten für das U-Abo übernehmen um deren Leiden zu lindern. Menschen, die nicht mehr ohne Handy leben können wären Kommunikationskranke. In alten Berghotels mit garantiertem Funkloch würde die Krankenkasse die Online-Therapie übernehmen. Als meine Nachbarin – fast blind -  eine neue Brille benötigte, wurde diese von der Krankenkasse nicht bezahlt. Begründung: sie würde ja eh schon fast nichts sehen, da würde eine neue Brille sowieso nichts bringen! Das finde ich korrekt. Halb blind zu sein ist ja auch keine Krankheit, oder? Das ist eine Sucht... Blindsucht, oder so...? Egal! Seien wir dem BAG dankbar. Mit dem Beschluss, dass Raucher kranke Menschen sind haben sie uns die Augen geöffnet. Vermutlich öffnen sie uns so später auch noch das Portemonnaie – aber egal. Kranken Menschen muss geholfen werden! Was machen Sie heute Abend? Ich habe mir einen Blumenstrauss besorgt und mache im Restaurant um die Ecke im Fümoir einen Krankenbesuch.

 

 

 

29. August 2011

Die schnellen Berner

 

Die Berner geniessen den zweifelhaften Ruf langsam zu sein. Ist das so? Ich dachte, dass das Bundeshaus in Bern steht, weil dort die Politikerinnen und Politiker schnelle Entscheide und hochgeschwindigkeits Politik betreiben. Den Beweis gegen die Langsamkeit der Berner erbrachte nun aber der Fussballclub Young Boys. Künftig will YB die Fans in den Zügen zu den Spielen unter Kontrolle halten. Mit dieser Massnahme kommen sie allen anderen Schweizer Clubs zuvor. Da soll nochmals einer sagen die Berner seien langsam. Vielleicht sind sie aber ausgerechnet diesmal etwas zu schnell? Ist das Konzept, der Beaufsichtigung der Fans im Rollmaterial der SBB tatsächlich gut durchdacht? Ich habe meine Zweifel. Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass  Fussballchaoten (die Bezeichnung „Fan“ ist bei denen völlig daneben), die ja nur wegen der Randale zu einem Match reisen, von Aufsichtspersonen im Zug gebändigt werden können. Nur weil jetzt ab und zu ein schmalbrüstiger, von der SBB ausgebildeter Aufseher durch den Wagon schlendert, sollen sich die Chaoten plötzlich ruhiger verhalten? Dazu kommt, dass die Zug-Aufseher von YB dann noch die Ticketkontrolle für die SBB erledigen sollen. Logisch: Die SBB-Kontrolleure trauen sich schon lange nicht mehr in die Fan-Züge. Nun schicken sie die YB-Aufsicht in die Schlangengrube. Sollen die mal das Problem in den Griff bekommen. Ein 150 Kilo schwerer Hooligan, mit Oberarmen die aussehen als hätte eine Anakonda ein Kalb verschluckt, bleibt sicherlich ganz brav und still sitzen, wenn ein bleichgesichtiger Spargel Tarzan durch den Zug patrouilliert. Ich finde es sehr schön, dass die Berner noch an Wunder glauben! Als Kind hatte ich, bei meinem ersten Bad im Meer, auch viel Salzwasser geschluckt. Am anderen Tag stibitze ich aus der Zuckerdose einen Würfelzucker und warf ihn ins Meer. Ich glaubte damals auch, dass nun das Meer plötzlich süss würde.